Druckschrift 
Hinter Gittern : Gedichte / von Otto Müller
Entstehung
Seite
52
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Ich denke in den Nächten dein In denen mich der Schlummer flieht

Und nur des Mondes milder Schein Geruhsam durch die Zelle zieht.

Dann schließ ich meine Augen zu,

Und suche wie im Traum dein Bild.

Doch was ich sehe, bist nicht du

Weil Furcht und Hoffnung mit mir spricht.

Die, die in Schmerzen dich gebar, Seh ich vor deinem Bettchen stehn Und Mutteraugen lieb und klar

Dir fragend ins Gesichtchen sehn. Noch ziert kein Lächeln deinen Mund, Kein Leuchten deinen Kinderblick. Es ist, als ging er müd und wund Und fragend in sich selbst zurück.

Hat man dir Würmlein arm und bloß Noch ehe du das Licht erblickt, Schon in der Mutter warmem Schoß, Die Lebensflügel jäh geknickt? Ruhest du noch in tiefem Schlaf

Und wirst du, wenn du aufgewacht Den Kummer löschen der uns traf Das Fragen stillen über Nacht?

*

Kinderaugen, heller Schein. Kindermund, welch süßes Lallen.