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Mordhausen : Bericht eines Augenzeugen über Mauthausen, das berüchtigte Konzentrationslager / von Edmund Richard Stantke
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überzeugt. Aber es lag mir ferne, in seine rosige Stimmung Dornen hinein­zuflechten. Vergnüglich war es für mich, zu beobachten, daß Herbert M. bei jedem Wegweiser, der nach Starnberg deutete, recht gesprächig wurde, wohl deshalb, um mich von meinem Vorhaben, nach Starnberg zu gehen, abzulenken. Nach ungefähr zwei Stunden langten wir in W. an, jenem Ort, der meinen Kameraden M. wie einen Magneten anzog. Wie machte es ihm Freude, mir dies und jenes zu schildern, nach seiner Meinung hat sich in den zehn Jahren er weilte als Zwanzigjähriger hier nicht viel geändert. Herbert M. hatte mir über W. nicht zuviel gesagt, es ist wirklich ein herrliches Fleckchen. Ein kleiner, von Wald und Villen umrahmter See hat es mir besonders angetan, noch dazu ein wunderbarer Maisonntag, also war unsere fröhliche Stimmung berechtigt. Ein Gäßchen links, ein Gäẞ­chen rechts, gelangten wir auf die Hauptstraße. Auf ihr ein Stück entlang gehend hielt mein Kamerad plötzlich inne, zeigte mit dem Finger auf ein Haus, dessen Fenster offen standen, und wandte sich an mich mit den Wor­ten: ,, Du, da wohnt er!" ,, Was für ein er?" fragte ich. Da er sich so geistes­abwesend an das Haus heranpirschte, war ich in dem Glauben, jene be­wußte Anni wohne darin, und platzte mit der Bemerkung: ,, Ich denke eine Sie!" heraus. ,, Ich meine doch jetzt den Schachtmeister, von dem ich dir einiges erzählt habe", erwiderte er. ,, Dann man tau! Aber weißt du was, Herbert? Gib dich nicht gleich zu erkennen." Langsam schlich er nun auf das offenstehende Fenster zu, ich hinterdrein. Im Zimmer stand ein ziem­lich hochgewachsener Mann, meiner Schätzung nach in den sechziger Jah­ren. Beide schauten sich, ohne ein Wort zu reden, minutenlang an. Jener mit fragender Miene, dieser mit gespannter Aufmerksamkeit und, nachdem er ihn doch nicht erkannte, fragte mein Kamerad: ,, Ja, Schachtmeister, kennst du mich nicht mehr?" ,, Mein Gott ! Dein Gesicht ist mir wohl bekannt, aber der Name?" ,, Wir haben vor zehn Jahren zusammen hier auf dem Flugplatz gearbeitet", bemerkte mein Kamerad.

noveraner

,, Freilich, freilich", erwiderte der andere ,,, du bist doch der Han­,, Herbert M.", gab dieser sich jetzt zu erkennen. Wir wurden hineingebeten, und dann ging das Erzählen los. Nach und nach war die ganze Familie erschienen, und wir beide wurden von allen Seiten mit Fragen bestürmt. In Herbert M. ging aber noch etwas anderes vor. ,, Wie geht es der Anni? Ist sie verheiratet?"- Ich glaube, Herbert M. hat in seinem Leben noch nie eine Frage gestellt, bei der das Herz so hundertprozentig mitsprach wie in diesem Falle. Ich sah seine gespannten Gesichtszüge, Wehmut und doch wiederum Hoffnung waren darin zu lesen. Ich bangte selbst, wie wohl die Antwort ausfallen würde und wünschte, daß sie zu seinen Gunsten sei.

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Seine Anni war noch nicht verheiratet! Ich habe seit langem keinen Menschen gesehen, der ein so glückliches, leuchtendes Gesicht hatte wie Herbert M. in diesem Moment, als er erfuhr, daß Anni noch frei sei. Nun konnte ihn nichts mehr halten, auf und davon war er. Ich freue mich immer, andere Menschen glücklich zu sehen, selbst wenn mir das Glück nicht hold ist, oder vielleicht gerade deshalb. Bin ich doch fast mein ganzes Leben

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