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Mordhausen : Bericht eines Augenzeugen über Mauthausen, das berüchtigte Konzentrationslager / von Edmund Richard Stantke
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überzeugt

schnell als möglich wieder fort zu kommen, nicht ohne über Pfarrer und Kirche zu schimpfen. Darum bat ich ihn, da das Pfarrhaus uns gegenüber lag, mit mir hineinzugehen und um eine Tasse Kaffee zu bitten. Nach lan­gem Bitten hatte ich ihn tatsächlich so weit. Zu klingeln und dem Pfarrer unseren Wunsch vorzutragen, überließ er mir. Wir wurden sehr liebevoll aufgenommen und bewirtet. M. trank seinen Kaffee hastig und rutschte unruhig auf seinem Sessel hin und her; am liebsten hätte er, ich sah es ihm an, mit dem Pfarrer über Kirche und Christus gestritten. Für ihn stand nämlich fest: Papst und Kirche seien mit an diesem Elend schuld. Aber ich ließ es nicht soweit kommen, mir genügte zu wissen, daß er jetzt wieder laufen würde. Und so war es auch. Wir waren noch nicht auf der Straße, da ging es auch schon los: ,, Diese Burschen hier tun, als wenn sie Gott gepachtet hätten und bemitleiden einen, als wären sie Christus selber, und doch waren sie zu feige, ihre Kollegen im KZ. in irgendeiner Weise zu unterstützen. Im Gegenteil, elendiglich haben sie sie verrecken lassen, ohne je ein Wort darüber zu verlieren." Leider hatte er darin nicht so ganz unrecht. Immer noch schimpfend, hatte er ganz vergessen, daß er gar nicht mehr weiterlaufen wollte. Plötzlich hielt er im Laufen wie im Schimpfen inne, als wir eine Straße überquerten, an deren Ecke ein Wegweiser mit der Aufschrift: ,, Nach W." stand. Ich sagte: ,, Herbert, hier geht es nach Starnberg ." ,, Ja, ja, ich weiß, aber du wirst dich erinnern, ich habe dir doch mal erzählt, daß ich in W. Bekannte habe, auch von der Anni, die ich vor zehn Jahren dort kennen lernte. Vielleicht lebt der eine oder andere noch, und ich meine, wir könnten über Pfingsten da am besten unterkommen." Erinnern konnte ich mich schon, aber der Umweg sagte mir nicht zu. Doch M. ließ jetzt nicht mehr locker. Also gingen wir nach G., das 10 km vor W. liegt. Die ruhige, staubfreie, von herrlichem Wald umsäumte Straße war ein Genuß, sodaß ich den Umweg nicht mehr bereute. Amüsant für mich war zu sehen, wie M., der in Forstenried doch kaum mehr laufen konnte, nun ein Tempo anschlug, das ihm alle Ehre machte. Als ich ihn flachste von wegen der Anni und so, erwiderte er: ,, Nein, nein, aber wir müssen G. noch vor neun Uhr erreichen." ,, Schon recht", sagte ich ,,, am liebsten würdest du heute noch nach W. gehen."

,, Alter Gauner, du merkst aber auch alles!" war seine Antwort. Ich ärgerte ihn noch ein bißchen, indem ich darauf hinwies, daß Anni schon verheiratet sein könnte. ,, Du hast recht", waren seine Worte, die mir etwas wehmutsvoll klangen ,,, zehn Jahre sind eine lange Zeit."

Im Gasthof zur Post in G. nahmen wir Quartier und wurden auf das beste bewirtet. Amerikanische Offiziere trugen auch dazu bei, uns den dort verlebten Abend zu verschönern. Am anderen Morgen weckte mich M., worüber ich sehr erstaunt war, denn sonst mußte immer ich ihn wecken. ,, Komm, steh auf, nachher wird es so heiß." ,, Ich glaube, dir ist jetzt schon heiẞ", gab ich ihm lachend zurück. Mir die Keks und die Konserven in den Brotbeutel steckend machten wir tragen tat er prinzipiell nichts uns auf den Weg nach W. Mir hatte er den Ort so schmackhaft geschildert, daß ich, ohne ihn gesehen zu haben, schon begeistert war, wenn auch nicht

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