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Über Mangelerkrankungen auf Grund von Beobachtungen im Konzentrationslager Theresienstadt / A. Wolff-Eisner
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reichenden und vitamin-, fett- und eiweißarmen Nahrung. Insbe- sondere bestätigte sich auch hier die:in der Tierzucht und sonst gemachte Erfahrung, daß eine vorwiegende Kohlehydraternäh- rung geradezu als Schrittmacher der Tuberkulose anzusehen ist. (CZERNY.)

Die Besönderheiten der Kz-Tuberkulose zeigt ‚symbolisch die eine Krankengeschichte, die ziemlich wahllos herausgegriffen ist. Wir bitten sie durchzusehen(S.44/45), und man wird aus ihr erken- nen, wie heimtückisch, wie schleichend und doch wie schnell die Tuberkulose den Menschen befiel und zum Tode führte. Alle die Methoden, die man sonst oft mit Erfolg zur Frühdiagnose und zur Einschränkung der Tuberkulose anzuwenden gewohnt ist, er- wiesen sich als völlige Versager. Daran änderte die weitest- gehende Heranziehung der Röntgendiagnostik nichts, nicht-die Durchführung von Reihenuntersuchungen durch zum Teil sehr

"erfahrene Röntgenologen etc. Es wurde die Feststellung gemacht,

daß trotz aller dieser diagnostischen Bemühungen bei einem Drittel der Fälle(in denen sich bei der Sektion Tuberkulose als Todesursache erwies), die Diagnose erst in tabula gestellt wurde. Dies lag zum Teil daran, daß ein ungewöhnlich großer Teil der Fälle mehr oder weniger in miliarer Form verlief, also nicht in

der sonst vorwiegenden Form der chronischen Lungentuberkulose.

Sonst standen, wie leicht begreiflich, die exsudativen und destruk- tiven Prozesse im Vordergrund. Ich bekam Formen zu sehen, die mir trotz einiger Erfahrung noch nicht zu Gesicht gekommen waren. Zum Beispiel erinnere ich mich besonders deutlich an einen Durchbruch tuberkulöser Massen vom Hilus aus in die Speise- röhre.:

Es gab in Theresienstadt ein großes Spezialkrankenhaus für Tuberkulöse, aber die hygienischen Verhältnisse waren in ihm nicht besonders günstig. Therapeutische Erfolge blieben aus, und auch der Pneumothorax vermochte daran nicht viel zu ändern. Wer sich klar macht, daß der Pneumothorax an den Organismus

- Ansprüche stellt und nur die immunbiologische Voraussetzung

schafft, damit der Körper durch seine Abwehrmittel die tuber-

* kulöse Infektion besiegen kann, wird sich nicht wundern, daß

unter den Theresienstädter Konditionen auch die therapeutischen Erfolge des Pneumothorax meist- ausblieben und ausbleiben mußten.

Bis zum Jahre 1944 wurden- die Tuberkulosekranken durch Sonderzulagen an Nahrungsmitteln bevorzugt. Die Einführung der Heliotherapie war bei demGesundheitswesen, d. h.-Bei den jungen Leuten, die zuerst dagewesen und autoritär nach dem Führerprinzip ihre Funktionen ausübten, nicht zu erreichen. Im Jahre 1944 wurden die Tuberkulösen fast gleichzeitig mit den zahl-

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