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Über Mangelerkrankungen auf Grund von Beobachtungen im Konzentrationslager Theresienstadt / A. Wolff-Eisner
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einer Enteritis lange Zeit oder überhaupt nicht zustandekamen; von den explosionsartigen Stühlen bei relativ Gesunden, welche eine Enteritis durchgemacht hatten, haben wir schon gesprochen. Das Krankheitsbild bleibt unter Umständen monatelang das gleiche, und schließlich tritt unter zunehmender Kachexie in der oben geschilderten Weise der Tod ein.

Diese schweren enteritischen Erkrankungsformen fanden sich im allgemeinen nur bei älteren Leuten. Wir sind zu der Ansicht gekommen, daß es sich um eine Mangelerkrankung handelt, und daß bei den alten Leuten bei Infekten der Vitaminverbrauch be­sonders groß zu sein und gleichzeitig eine Störung der Vitamin­resorption vorzuliegen scheint. Bei jüngeren Leuten dürfte es zu so hochgradigen Avitaminosen nur nach besonders schweren In­fekten kommen.

Die große Arbeit, welche in der Vitaminforschung geleistet. worden ist, kann sich nur dann auswirken, wenn der Vitamin­mangel mit einer gewissen Sicherheit diagnostiziert werden kann. Dies ist bei den klassischen Avitaminoseerkrankungen der Fall, z. B. bei der Hemeralopie, der Beri- Beri, der Pellagra , beim Skor­but und der Rachitis. In Theresienstadt war die exakte Diagnostik der Avitaminosen schwierig. Viele Fälle wurden monate- und jahrelang nicht erkannt und konnten deshalb nicht der rettenden Therapie zugeführt werden. Die Schwierigkeiten ergaben sich daraus, daß es sich sehr häufig um eine Kombination mehrerer Avitaminosen handelte, und daß die bekannten klassischen For­men nicht auftraten. Deshalb ist den selteneren Vorkommnissen in der Literatur der Avitaminosen besondere Beachtung zu schen­ken, weil es sich in Theresienstadt sehr häufig um eine Kombi­nation von Mangelerkrankungen mit Infekten handelte. Es wäre sehr wünschenswert, wenn sich das Fehlen bei allen Vitaminen klinisch so leicht nachweisen ließe, wie dies beim Vitamin C der Fall ist.

Neben dem Vitaminmangel kommt bei den Th.- Erkrankungen dem reticulo- endothelialen System( RES) für das Zustande­kommen dieser Erkrankungen eine große Bedeutung zu. Wir haben die in Theresienstadt mit dem RES gemachten Erfahrungen bei den dort so häufigen Trans- und Exsudaten der serösen Häute in einer besonderen Publikation zusammengefaßt, und möchten uns hier auf diese Arbeit 4**) beziehen. Wir haben dort nachge­wiesen, daß dem RES eine besondere Bedeutung beim Zustande-. kommen exsudativer Prozesse spez. der Ödeme zukommt. Natür­lich ist es nicht ausgeschlossen, sondern wahrscheinlich, daß diese Erkrankung des RES ebenfalls durch Vitaminmangel bedingt ist.

4) Sie wird im gleichen Verlag erscheinen:

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