rung, welche voraussichtlich die Darmfauna grundlegend abge. ändert hat. Von dem Umfang dieser Flatulenz kann man sich kaum eine Vorstellung machen. Die Flatus kamen serienweise, wie Trommelfeuer, und Serien von 16 bis 18 Flatus hintereinander waren keine Seltenheit. Man war gesellschaftlich unmöglich, und dieses Leiden war durchaus geeignet, den Aufenthalt in Theresienstadt unangenehm zu machen. Entsprechend der wohl mit Recht zu supponierenden Abänderung der Darmfauna hielt die Flatulenz noch an, nachdem nach der Befreiung die Ernährung umgestellt werden konnte, und zwar bis zu 6 Monaten und mehr. Normalerweise werden 9/10 der Darmgase resorbiert. Bei Darmparalyse wird diese Resorption gestört. Offenbar auch bei schwerer Flatulenz, sonst wären die in Theresienstadt beobachteten ,, Serienflatus" nicht erklärlich.
In der ,, Medizinischen Klinik" 1942, Nr. 31, fanden wir als Behandlung empfohlen Atropin, Stuhlregelung, heiße Wickel, Agar Bittersalz, Fenchel, Anis, Baldrian, Kamille, Pankreon, Festal; bei Atonie etc. Hypophysin und Strychnin, Brot nur getoastet. In Theresienstadt versagten alle diese Mittel. Das unter Umständen empfohlene Weglassen von Kartoffeln konnten wir nicht anwenden, Gemüse gab es sowieso nicht.
Ebenso fast allgemein war eine Poly- und Pollakisurie. Menschen, welche z. B. des Nachts überhaupt nicht oder nur einmal haben urinieren müssen, mußten dies 4-5 mal und öfter tun. Es sei betont, daß es sich nicht etwa um Prostataerkrankungen handelte, denn die gleiche Erscheinung trať bei Frauen und jüngeren Leuten auf. Es handelte sich wahrscheinlich um eine Änderung der Reflexerregbarkeit, die im allgemeinen eine verstärkte war Der Harndrang trat offenbar schon bei einer viel geringeren Füllung der Blase auf. Diese Erscheinung, wie alle anderen Störungen der Reflexerregbarkeit, blieb noch sehr lange nach dem Verlassen des Konzentrationslagers bestehen. Worauf die Polyurie beruhte, konnte nicht festgestellt werden.
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Die erwähnten andern Störungen der Reflexerregbarkeit bestanden in Neigung zu starkem Husten, auch wenn keine Erkältung vorhanden war, in häufigem Verschlucken, Glottiskrampf, tetanoiden Erscheinungen, abnormen Kontraktionen der Speiseröhre außerhalb der Nahrungsaufnahme etc. Alle diese Erscheinungen, die dem Fehlen des Lactoflavins zuzuschreiben sind, waren gegen therapeutische Beeinflussungen sehr resistent und bestanden ebenfalls lange Zeit nach dem Verlassen des Konzentrationslagers fort 4).
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4) Ein ähnlicher Symptomenkomplex soll von amerikanischer Seite( PLAMMER und WINSON) beschrieben worden sein, die sogar eine Erweiterung der Speiseröhre( röntgenologisch nachweisbar) oberhalb der Kontraktionsstelle beobachteten.
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