Es fing so an, daß sich auf irgendeiner Schloßruine die Studentenschaft versammelte. Musik und Reden wurden serviert. Schließlich steckte man einen Holzstoß in Brand. Er flammte hell auf. Ringsum in weitem Umkreis standen die bunten Reihen der singenden Studenten. Dann loder- ten Tausende von Fackeln auf, und der Fackelzug ordnete sich.

Hinter der Universitätsfahne und der Musik war der Vorstand der Studentenschaft aufgebaut. Danach folgten die eingeladenen Dozenten, eine schaukelnde Halde von Glatzen. Die Brillen blinkten im rötlichen Fackelschein. Dann kamen die Korporationen, dahinter die Wilden in Zivil und irgendwo am Schluß die jüdischen Korporatio- nen. Eine unabsehbare, brennende Schlange von Fackeln.

Die Fahnen wurden entrollt, ein Wald von schwarz- weiß-roten Fahnen, Kriegsflaggen, Preußenflaggen, Jung- do-Fahnen, Ordensstandarten und Hakenkreuzwimpeln. Lachende Gesichter.

Aber B. plante eine Ueberraschung. Er hatte von der Universität die alte schwarz-rot-goldene Fahne von 1848 erbeten. Sie sollte auf diesem Fackelzug zum ersten Male entrollt werden. Eine Gruppe schloß sich um die Fahne zusammen, entschlossen, sie zu verteidigen. Es war eine sehr kleine Schar, wenn man die Masse der nationalisti- schen Studenten ansah.

Als die alte Fahne schwerfällig und seidig im Licht sich entfaltete, staunten Tausende von Kommilitonen. Man

machte sich gegenseitig auf sie aufmerksam, man entrü-

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