In New York bekam ich von meinem Boß den Auftrag, achtzig Zeilen über Miß Amelie Plucker zu schreiben. Ich fuhr in das Funeral- Home, wo sie aufgebahrt lag. In der Kapelle sprachen einige Verwandte und der Reverend. Der Sarg stand offen vor dem Rednerpult in lauter Blumen. Sie war eine bekannte Wohltäterin gewesen. Auf den Kirchenbänken, auf denen wir alle saßen, lagen Papierfächer gegen die Hitze. Mit blumenreichen Wendungen pries sich Campbells Funeral- Home als das beste und billigste in schönen Buchstaben darauf an.
Schließlich gingen alle am Sarg vorbei, in dem Miẞ Plucker in einem hellgrauen Abendkleid lag, schön frisiert und geschminkt. Man hatte sogar ein Lächeln in das Gesicht gedrückt. Sie sah aus wie eine leicht ermüdete Ballmutter. Mir fiel ein, daß Campbell die Parole erfunden hatte, in Schönheit zu sterben. Diese Parole hatte den armen schottischen Einwanderer zum Millionär gemacht. Viele wollten in Schönheit sterben. In diesem FuneralHome standen einunddreißig Särge, jeder bekam eine Stunde für die Leichenfeier. Man brauchte nach dem letzten Atemzug des Verblichenen nur anzurufen. Alles andere besorgte Campbell. Auch die Anrufe bei der Presse. Ich schrieb die achtzig Zeilen abends im Reportersaal, aber ich hätte ein Buch schreiben können vom Tod in der Welt.
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