O die Weinstuben! Man tritt müde und nüchtern ein und verläßt sie als Herr der Welt, elastisch, reich und nervig. Der ,, Schwarze Adler" in Weimar , das ,, Blutgericht" in Königsberg , das ,, Krüzche" in Köln , der ,, Franziskaner" in Wien , das ,, Essighaus" in Bremen , die ,, Lindenwirtin" in Godesberg , die halbdunklen, ruhigen Männerstuben, in denen über den schweren, blanken Tischen ein Chateau Fécamp rot im Glas leuchtet und aus den Gesprächen die Phantasie sich köstlich erhebt. Oder man sitzt einsam und träumt sich eins, und der Wein ist rot und schmeckt nach Jahrhunderten. Das Gehirn beginnt zu glühen und köstliche Gedanken zu haben, voller männlicher Schwermut und lachender Gnade. Schöne, dunkle Weinstuben! Das milde Lampenlicht leuchtet durch eine Rotweinflasche, in der zusammengepreßt die geheimnisvolle Energie eines Sonnenhangs funkelt, die klare Macht eines wohltätigen Geistes.
Indes der Mann klein und zusammengesunken vor seinem Glas sitzt und auf die blanke Tischplatte starrt, erhebt er sich kühn als Pionier in den azurenen Dschungeln der Phantasie. Alle Sterne funkeln in seinem Hirn, er versteht alles. Er erlebt die Güte der Männer und ihre schweigsame Weltliebe, er trinkt langsam, er ist ganz still wie angerührt von einer schicksalhaften Hand, wie verzaubert. Aus dem Wein erheben sich die großen Pläne, die er morgens nüchtern betrachtet.
179


