Nach langer Autofahrt, ich saß fünf Stunden am Steuer, sind wir abends in Nürnberg . Im Hotel ,, Großer König" mieten wir ein Zimmer, wir sind müde, durch die Lich­ter der Stadt festlich gespannt, staubig und fröhlich. Ich bringe den Wagen weg, und als ich gebadet und vergnügt in unser Zimmer trete, hat sie daraus eine festliche Ke­menate gezaubert. Ein herrliches Abendessen mit viel Silber und Kristall steht auf dem Tisch, Wein wartet im Kühler. Sie ruht gebadet und zart auf der Couch in einem purpurroten Mantel. Ihr blasses, schönes Gesicht leuchtet im verhängten Licht, und ihre Augen strahlen mich an. Draußen hört man gedämpft Autos und den Lärm der Stadt. Wir essen beide, und der Wein trinkt sich weich und erregend. Wir lachen.

Das war an einem Sonntagnachmittag, als sich der Wachtmeister, der in unserem Saal IV von früh bis spät an einem Tisch saß und uns musterte, darüber ärgerte, daß ein Gefangener sein Buch im Spind entgegen der Vorschrift mit dem Rücken nach links gelegt hatte, statt nach rechts. Der Gefangene war ein schwächlicher, hol­ländischer Bäckergeselle, der schwer sprach. Es war ge­gen zwei Uhr, als der Wachtmeister, ein mächtig gebauter, erregbarer Beamter, uns aufstehen hieß und den Gummi­knüppel zu schwingen begann. Er jagte kollernd vor Wut den kleinen, kreischenden Bäckergesellen den Saal auf

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