mir hinaus. Wir fuhren durch die Dunkelheit von Johan­ nisthal in den Westen, in eine Bierkneipe. Wir hatten un­geheuer viel zu erzählen. An die Bar dachten wir nicht mehr. Dann fuhren wir zu ihr und tranken dort Sekt. Sie hatte eine hübsche Wohnung am Knie. Sie saẞ dort in ihrem Sessel, sehr schön mit leidenschaftlichen Augen, sehr ordnungsliebend, wild und ehrgeizig. Am nächsten Abend fuhren wir wieder vom Atelier nach Hause. Unter­wegs kamen wir an einem Wald vorbei. Sie sagte: ,, Hal­ten Sie bitte." Ich hielt. Sie maulte. ,, Spazierengehen." Wir gingen in den nachtdunklen, einsamen Tannenwald hinein. Ich hatte das Gefühl, neben einem schönen, lüster­nen Raubtier zu gehen. Ich hatte recht.

Als ich verlegt wurde, kam ich in eine Zelle, in der ein früherer Zuchthausinspektor und ein früherer Minister lagen. Der Inspektor, ein blonder Sachse, hatte bereits drei Jahre hinter sich und seinen Humor nicht verloren. Der Minister war Grimme, einer der saubersten und sym­pathischsten Menschen meiner Haftzeit, ein außerordent­licher Kamerad. Wir waren im selben Prozeß verurteilt worden und hatten bereits in Spandau zusammengelegen. Nach kurzer Zeit bekamen wir keine Tüten mehr zum Kleben, weil es an Papier fehlte. Also waren wir wochen­lang arbeitslos. Wir lebten in der engen Zelle, die etwa 3x5 Meter hatte, sehr vergnügt. Wir diskutierten, lernten voneinander, spielten Schach mit Pappschnitzeln und jag­ten Wanzen. Es war eine der schönsten Perioden meiner Haftzeit, dank zwei guten Kameraden, die ich grüße.

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