bist keiner, du fühlst dich ganz sicher, daß du kein Ver­brecher bist und kämpfst mit der Versuchung, dem Zivi­listen( ach, diese ewigen Gestapozivilisten mit Stahl­fesseln und Revolver in der Manteltasche und mit ihrem sonderbar starren Lächeln) einige Worte etwa folgenden Inhalts zu sagen: Sie sehn doch ein, Mann, daß man über den Krieg verschiedene Meinungen haben kann, nicht wahr? Sie haben einen Revolver und sind trainiert und wohlgenährt, ich bin immerhin nach neun Monaten Ein­zelhaft in Frost und fast im Dunkeln verbracht, ein we­nig geschwächt. Ich wiege hundert Pfund. Die Fesseln können Sie sich doch wohl sparen, wie?

Aber ich vergesse, der Mann hat seine Befehle, und mit einem Gemisch von Scham, Empörung und belustigter Spannung halte ich ihm die Hände hin. Er legt dir mit der geübten sanften Bewegung eines Friseurs die Spe­zialstahlfessel um die Handgelenke, drückt sie zusammen und schließt sie mit einem winzigen Schlüssel ab, indes der Wachtmeister in der Pforte lächelnd zusieht. Es ist ein sonniger Frosttag, du bist seit einer Woche nicht ra­siert, der Bart kratzt am Rollkragen deines blauen Swea­ters, und der Stahl ist noch warm von der Tasche des Gestapobeamten.

Dann besteigst du den großen Privatwagen der Gestapo mit seiner biederen IA- Nummer. Und schon werden die Stahlspangen, die an den hinteren Sitzen unten befestigt sind, um die Fußgelenke gelegt. Der Beamte setzt sich neben den SS- Mann, der steuert, aber auch Zivil trägt, und nun fahren drei arglos bürgerlich gekleidete Männer die Heerstraße entlang. Keiner, der uns sieht, ahnt, daß

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