In Neapel gibt es ein Straßenviertel, in das man als Fremder nicht geht: enge, verrottete Gassen, in denen Wäsche von Haus zu Haus hängt. Alle Leute sitzen vor der Tür und schnattern, singen und handeln. Es ist Abend.
Aus einer Tür dringt Musik, ich trete ein, es ist ein Weinkeller: drei Fässer, aus denen der Wein ins Glas ge- zapft wird, einige rohe Stühle undTische und etwa zwanzig Männer, barfüßig, mit roten Halstüchern und lackschwar- zen Haaren. Auf einem Weinfaß zwei Mandolinenspieler und ein herrlich hübscher Bursche, der singt. Man gibt mir Wein, ich lade die Musiker ein, und sie singen ihre alten neapolitanischen Fischerlieder, nicht Funicula oder das Übliche. Begeistert klatschen wir Beifall, und alle blicken nach dem Fremden, ob es ihm auch gefällt. Oh, es gefällt ihm. Es ist eins der schönsten Konzerte, die er erlebt hat. Die Petroleumlampe blakt, die schwarzen Au- gen des Sängers glänzen, die Mandolinen zirpen vergnügt dahin, und der Wein ist rot und stark. Wir sind alles Männer und lieben die Musik.
Draußen ist ein hell&® Septemberabend, man sieht ihn durch die offene Tür, in der Kinder hocken, zerlumpt und hübsch, mit großen, neugierigen Augen. Wenn ein trauri- ges Lied gesungen wird, werden die schwarzen Augen der Kinder im Licht der Petroleumlampe traurig.
Wenn man dir das erstemal Fesseln anlegt, bist du aufs neue verwirrt von der Hartnäckigkeit dieser Justiz, dich absolut als Verbrecher zu behandeln. Du sagst dir, du
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