Allmählich füllte sich der dämmerige Hörsaal. Männer und Mädchen schoben herein, allein, in Gruppen, bösartig, lachend, verpaukt. Lärm erhob sich. Mappen wurden auf die Pulte geknallt, Zurufe, Grüße.

Einige Seminarlöwen flanierten hochmütig durch die Gänge mit wallender Mähne und verächtlichem Gruß an grüne Füchse. Kleine, bekümmerte Examensemester schnürten blaß hinter der Assistentin her... Fräulein Doktor!

Das Fräulein Doktor war dick und bleich, eine Frau wie ein tippelndes Weißbrot, eine siebenundzwanzigjäh­rige Matrone aus Sachsen mit nickendem Wohlwollen.

Als Walzel eintrat, wurde es still. Der Mann war eine Autorität, ein berühmter Gelehrter. Das Fenster warf scharfe Schatten auf seinen Kopf, ein Kopf wie eine Be­obachtungsstation. Ein Gefilde von Skepsis im unteren Gesicht, ein Park von Betrachtung im oberen: genaue Trennung. Das Haar an Kinn und Schädel eisgrau, die dunklen Augen schmal und reserviert.

Unter den Studenten lobte man ihn wegen seiner nütz­lichen Bemühung um die Jugend. Er faselte nicht davon, wie es heute zum guten Ton gehört, sondern er richtete freie Abende ein, in denen neue Dichter diskutiert wur­den. Er ließ rezitieren, diskutieren, hatte Fühlung. Das Seminar war trotz seines Publikums lebendig.

Nach dem Beifallsgetrampel begann der Professor seine Analysen über deutsche Romantik:

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Schleiermachers Ethik, wie sie in den ,, Monologen" und im ,, System der Sittenlehre" sich zeigt, fällt in er­ster Linie durch ihren Gegensatz zu Kants ,, Rigorismus"

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