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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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Verdacht der Vorbereitung zum Hochverrat werden freigespro­chen: Eva Wegner, Heinrich Möller, Eduard Reichel und Georg Kramer. Der Eva Wegner wird für die erlittene Unbill ein Betrag von tausend Reichsmark zugesprochen, den der Ange­klagte Baumann zu entrichten hat..."

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Kalt prüfend sah das Hitlerbild auf die ,, Im Namen des Volkes" Recht sprechenden Richter herab. Auf ihren Talaren glänzte es mattsilbern. Das Hoheitszeichen des Regimes: ein Adler mit ausgebreiteten Schwingen, dessen Fänge sich um einen Kranz krallten, der ein Hakenkreuz umschloß.

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Das Verfahren gegen die Angeklagten Erich Diebold, Walter Eder und Otto Meyer wegen Verschleuderung von Reichs­geldern wird abgetrennt..." Die schnarrende Stimme des Vor­sitzenden brach ab. Seine Hand senkte sich langsam, er legte das Aktenstück vor sich auf den Richtertisch, zog den Stuhl näher heran.

Der Gerichtssaal schien in einen feinen, körnigen Nebel ge­hüllt zu sein, der den Menschen bei jedem Atemzug in der Kehle kratzte. Verhaltenes Schluchzen zitterte in der regungs­losen Luft. Baumann hielt sein Gesicht in den Händen vergraben.

Rechtsanwalt Reichel sah, wie die drei Gestapo - Beamten auf den Stühlen neben der Anklagebank beredte Blicke wechselten. Das Verfahren gegen die drei wird abgetrennt!? Ohnmächtige Wut packte Reichel, saß ihm wie ein dicker Klumpen im Hals. Das bedeutete, daß ihnen nichts geschehen würde, gar nichts!

Vorn auf dem Podium fuhr der Gerichtsvorsitzende fort: ,, Im Interesse der öffentlichen Sicherheit ordnet das Gericht an: Unter Androhung einer Zuchthausstrafe von nicht unter zwei Jahren wird jedem der an diesem Gerichtsverfahren in irgendeiner Weise Beteiligten untersagt...", der Vorsitzende holte vernehmlich

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