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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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Eine jähe Stille entstand, die die Menschen im Saal mit dumpfer Beklemmung erfüllte. Sie rückten auf ihren Sitzen hin und her, musterten sich scheu.

Baumanns Wirtin hielt das drückende Schweigen nicht länger aus. Sie wandte ihr krebsrotes Gesicht der neben ihr sitzenden Frau des Rechtsanwalts Reichel zu, flüsterte: ,, Jetzt ist doch Ge­richtspause, nicht wahr? Darf man solange rausgehen?"

Die Angeredete antwortete nicht.

Eine der dunkelgrünen Gerichtsdieneruniformen, die zu beiden Seiten der Zeugenbänke standen, sagte laut: ,, Ruhe, bitte! Sitzenbleiben!"

Meister Wegner streichelte den Arm seiner Frau. Sie preẞte ihr Taschentuch gegen die Lippen, sah mit verweinten Augen zur Anklagebank. Seit Beginn der Verhandlung hatte sie so gesessen, als versuche sie verzweifelt und doch vergebens, in der zusam­mengekauerten Gestalt mit den verbundenen Armen ihre Tochter zu erkennen.

Rechtsanwalt Reichel beobachtete die drei Männer, die auf den rechts neben der Balustrade stehenden Stühlen saßen: Inspektor Diebold und seine Kommissare Eder und Meyer.

Alle drei saßen mit steifen Rücken und vermieden es, sich anzusehen; in ihren Gesichtern zeigte sich aber weder Unruhe noch Furcht. Sie schienen sich eher zu langweilen. Inspektor Diebold saß mit übereinandergeschlagenen Beinen, die Hände um das hochstehende Kinn gefaltet.

Reichel hatte die Prozeßbenennung gelesen, als er von dem Gerichtsdiener in den Saal geführt wurde:

lautete sie.

BAUMANN UND ANDERE

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