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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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ließen ihn nicht, selbst der Straßenlärm schien sie ihm zerhackt und mit brausender Stärke in die Ohren zu schreien: ,, Morgen früh...! Neun Uhr...! Pünktlich...! Morgen

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früh!"

,, He! Passen Sie doch auf!" rief jemand laut und ärgerlich. Baumann zuckte zusammen, sah verständnislos auf den Mann, den er angerannt hatte, auf die Menschenmenge vor ihm. Pots­damer Platz ! Der runde Verkehrsturm in der Platzmitte zeigte grünes Licht.

Der Menschenknäuel um Baumann löste sich auf. Dort drüben war der Bahnhof!... Wegfahren! Aber wohin denn...?! Bau­manns Blick blieb an der Leuchtreklame auf dem Dach eines Eck­hauses hängen. Aus einem riesigen Sektkelch perlte und schäumte es in schillernden Farben, darunter wanderte eine Leuchtschrift, verschwand, erschien wieder: K- u- p- f- e- r- b- e- r- g... G- o- l- d... Kupferberg Gold... Plötzlich schien sich die Lichtreklame vor Baumanns Augen zu verwandeln: der Sektkelch wurde zu einem wachsbleichen Gesicht, in das hellblonde, nasse Haarsträhnen hingen...

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Baumann hastete weiter. Durch Straßen, Straßen ohne Ende, überquellend vor pulsierendem Leben doch für ihn nur eine trostlose Einöde, in der nirgends ein Zufluchtsort war, wohin er sich retten, wohin er vor sich selbst flüchten, seine Angst und Verzweiflung ersticken konnte.

Baumann blieb stehen und lehnte sich erschöpft gegen eine Haustür. Sein schwarzes, öliges Haar hing ihm wirr in die Stirn, sein Kragen stand weit auf.

Rechts erhob sich, breit und wuchtig, von Scheinwerfern an­gestrahlt, das Brandenburger Tor . Scharf umrissen zeichnete sich der Siegeswagen gegen den Nachthimmel ab. Die Siegesgöttin schien frei in der Luft zu schweben.

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