Innerste getroffen. Es war, als hätte er ein Mal auf der Stirn! In seinem Stadtviertel mieden sie ihn; aus Furcht, um ihre eigene Sicherheit, um ihr eigenes Brot besorgt die einen, aus blindem Haß die anderen. Und jetzt kam diese neue Erniedrigung..
Doch er war kein Tier, das sich in die Erde vergraben, sich in weite Wälder flüchten konnte; er war nur ein Mensch, er wohnte in einem Haus, mußte zu diesem Haus zurück. Dort wartete seine Frau, ängstigte sich um ihn.
Seine Frau saß in der Küche. Sie war auf dem Küchenstuhl eingeschlafen, das Licht brannte hell.
Wegner schloß leise die Tür, blieb regungslos stehen. Das stille Haus, die helle blitzsaubere Küche- alles kam ihm auf einmal so fremd vor, als gehöre es nicht mehr zu seinem Leben. Als wäre dies Haus ein Gefängnis, aus dem es kein Entrinnen gab; ein Gefängnis, das die feindseligen Blicke der Menschen anzog, den schwatzenden, verleumdenden Zungen ständig neuen Gesprächsstoff gab. Wie angeschmiedet war er an dieses
Haus!
Er hängte seine Aktentasche auf den Haken an der Küchentür. Seine Frau erwachte.
Sie hatte den langen Tag voller Ungeduld verbracht; sich immer wieder eingeredet, daß ihr Mann seine Arbeitsstelle zurückbekommen habe und daß er jetzt im Werk sei. Als die Feierabendstunde kam, stand sie am Küchenfenster, lauschte in die stille Straße hinaus, auf den ihr so vertrauten Schritt. Doch er kam nicht. Sie wagte nicht, auf die Straße zu gehen; sie fürchtete die Menschen und verließ das Haus nur noch, um Einkäufe zu besorgen. Sie war lange im Haus verstört umhergelaufen und schließlich vor Erschöpfung auf dem Küchenstuhl eingeschlafen. Als sie ihren Mann jetzt so verändert vor sich stehen sah, ver
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