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unser gemeinsames Leben verändert, dachte er bitter, alles hat jetzt ein anderes Gesicht. Sie am Fenster stehen zu sehen, war nun wie eine stumme Mahnung, nicht wieder mit müßigen Händen, nicht arbeitslos zurückzukommen.
Schon von weitem sah Wegner jemanden an der Haltestelle stehen. Er wußte, es war Tremke, der Lagerverwalter aus der Abteilung 3 im Werk. Der kleine, schmächtige Tremke mit dem ledrigen, faltigen Gesicht. Er sah dies Gesicht so deutlich, als stünde der Mann vor ihm, es war all die Jahre hindurch gleichgeblieben. Sieben, acht Jahre kannte er diesen Tremke. Er war für das Materiallager im Werk verantwortlich. Diesem Tremke hatte er oft geholfen; alles für ihn eingerenkt, wenn ein Materialzettel falsch ausgeschrieben, wenn in seiner Abteilung zu viel oder zu wenig Material für einen Auftrag angeliefert worden war. Er hatte ihn so vor Schwierigkeiten mit der Direktion geschützt. Schmeichlerisch und freundlich ist der Tremke immer gewesen, besonders wenn wir morgens dieselbe Straßenbahn nahmen. Doch jetzt! Er überhört meinen Gruß, hat mir gestern und vorgestern einfach den Rücken zugekehrt, als kenne er mich nicht, als sei ich für ihn Luft. Wenn er mich in der Siedlung sieht, macht er einen Bogen, als treffe er einen Aussätzigen. Von diesem Kriecher soll ich mich wieder demütigen lassen! Ich nehme die nächste Straßenbahn, entschied Wegner.
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Er bog in eine Seitenstraße ein, ging dort wartend auf und ab. Die Straßenbahn war dicht besetzt. Wegner blieb auf der Plattform stehen. Er tastete mit den Augen die Gesichter der Fahrgäste ab. Pölke, der Vorarbeiter Pölke, ist nicht dabei, dachte er. Pölke! Der Gedanke brachte ihm zum Bewußtsein, weshalb er wieder zum Werk fuhr. Um Pölke und die anderen zu sehen! Pölke hatte ihn laut gegrüßt, Pölke zuerst, dann auch
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