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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
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Diebold stand auf, begann im Zimmer auf und ab zu gehen. Eder und Meyer saßen jetzt sicher schon gemütlich bei einem Glas Bier und hatten ihre Ruhe. Und er mußte auf diesen ver- bummelten Strehlke warten! Nachtdienst hat der heute, sagt Näsel-Reinicke. Klappt gut! Übrigens keine schlechte Idee, ein Glas Bier, Musik, ein bißchen ausspannen... Aber das ist ja nachher viel zu spät. Nach Hause gehen, nichts weiter. Wahr- scheinlich macht Lilo wieder ein Schmollgesicht, ist wieder mal gekränkt und klagt über das kalt gewordene Abendessen, hält mir vor, daß ich sie vernachlässige durch meineverrückte lange Büroarbeit. Büroarbeit! So stellt sich meine eigene Frau das vor! Büroarbeit! Die hatne Ahnung! Ich bin aber auch immer der Letzte in diesen vier Wänden. Schließlich bin ich der Inspektor. Von mir verlangt man alles, ich bin verantwortlich. Besonders diesmal, das steht fest. Daß der Fall Wegner und die Verhaftung dieser illegalen Leitung mein Sprungbrett, meine Beförderungschance werden, steht genau so fest. Richtig ein- gefädelt ist alles... Habe nicht gezögert, die Sache sofort zu melden. Wenn die Bande erst mal hinter Schloß und Riegel sitzt, ist meine Beförderung sicher. Dann bekommt das Leben eine neue Seite, liegt eine glänzende Karriere vor mir. Wird auch langsam Zeit. Manch einer sitzt hier auf hohem Posten, der nicht halb soviel kann wie ich... Noch ist es nicht so weit, vor- läufig wartet nicht nur Generalinspekteur Heydrich, sondern auch Reichsführer-SS Himmler auf die Ergebnisse dieser Fahn- dung. Ich muß Strehlke haben! Sofort, heute nacht noch muß der Strehlke sich diesen windigen Rechtsanwalt und den Arzt vornehmen, und die werden im Handumdrehen gesprächig! Und ob. Zumindest der Rechtsanwalt, der verträgt nichts, das sieht

man auf den ersten Blick...

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Bi di