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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
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man könnte sie als Versuch zu einer Verständigung auslegen. Die kleinste Unvorsichtigkeit kann ihn jetzt noch stärker in Verdacht bringen...!

Rechtsanwalt Reichel sitzt wie erstarrt, sitzt steif wie eine

Puppe.

Er schweigt.

Die Minuten kriechen.

Vier Menschen sitzen in einem hell erleuchteten Zimmer und werden beobachtet!

Keine Bewegung, kein Mienenspiel der in der Lichtfülle sitzen­den Menschen entgeht den unsichtbaren Augen. Jedes Wort, jedes Flüstern soll durch den abgeschlossenen Raum an die lauschenden Ohren getragen werden. Die Beobachter, die Lauscher an dem versteckt angebrachten Sehschlitz wechseln, lösen sich ab. Inspek­tor Diebold, Kommissar Meyer, Kommissar Eder. Sie lassen sich Zeit, denn sie kalkulieren: Je länger die vier zusammensitzen, um so eher werden sie zermürbt, um so eher werden sie sich eine Blöße geben. Vielleicht werden sie versuchen, gemeinsame Aus­sagen zu verabreden. Verfängt das nicht, schweigen sie, weil sie sich vielleicht beobachtet fühlen, so wird diese erste, überraschende Gegenüberstellung für die Verhöre trotzdem von Nutzen sein; denn die vier wissen nun, daß ihre staatsfeindlichen Beziehungen aufgedeckt sind, daß Leugnen zwecklos ist.

Vier Menschen sitzen in einem hell erleuchteten Zimmer. Die Zeit scheint stillzustehen, alles Leben der Welt erstorben. Stille. Drückende Stille. Die Atemzüge der anderen hört das Ohr, sonst nichts...

Dr. Kramer springt auf, geht auf und ab. Hohl klingen seine Schritte: tapp ―tapp- bohrend, sägend, tapp- tapp.

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