Er schweigt.
Die Minuten kriechen.
Vier Menschen sitzen in einem hell erleuchteten Zimmer und grübeln.
Ein Arzt:
-
Man hat ihn in seiner Praxis verhaftet. Als Staatsfeind! Ein Mißverständnis. Es wird sich herausstellen, es muß sich ja herausstellen! Aber wie kam es überhaupt dazu? Wie nur!? Das Mädchen auch verhaftet?! Wie hieß sie doch? Wegner, Eva Wegner. Die Gestapo weiß also, daß er sie kennt. Ist er ihretwegen-? Was weiß er denn schon von ihr? Eine flüchtige Tanzbekanntschaft. Er kennt viele Frauen. Kunstmalerin sei sie, hat sie ihm mal erzählt, erinnert er sich. Das klang wenig glaubhaft, stimmte sicher nicht. Dennoch: dieses lebensfrohe junge Ding verhaftet! Wie ein Ladenmädchen sieht sie jetzt aus, diese weiße Schürze, die einfache Jacke darüber.- Einer von den dreien hier muß ihn jedenfalls denunziert haben! Weshalb nur? Und wer? Und mit welcher Begründung? Der dicke Mann mit der Glatze sieht wie ein Markthändler aus, der kleine, schmächtige wie ein besserer Angestellter.- Wenn man sie jetzt hier alle zusammensperrt, will man irgend etwas damit erreichen, will man zu bestimmten Schlußfolgerungen kommen, das ist eindeutig! Er muß jetzt alles vermeiden, was seine Lage verschlechtern, noch gefährlicher machen könnte, er darf sich nicht gefährden, indem er mit den wirklich Belasteten, mit den wirklich Verdächtigen spricht. Seine Verhaftung ist ein Fehlgriff, das wird sich herausstellen, das muß sich ja herausstellen...
Er schweigt.
Die Minuten kriechen.
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