sernen Seitenwände fast bis zur Erde reichend, in weiten Abständen von schmalen, graugestrichenen Adern der Stahlkonstruktion durchzogen. Die Sonne brannte auf das Glasdach, schickte durch die hohen geriffelten Fenster breite, flimmernde Streifen Licht; es stand wie eine helle Wand zwischen den Maschinen. Jetzt, im Hochsommer, war es in der Halle heiß wie vor einem Backofen. Maschinen und Menschen umspülte trockene warme Luft, die in der Kehle kratzte.
Meister Wegner ging langsam durch die schmalen Gänge zwischen den Maschinen. Bisweilen blieb er stehen und fragte nach dem Stand der Arbeit. Frage und Antwort mußten geschrien werden, wenn man sich verständigen wollte. Wegner prüfte den Materialnachschub an den Maschinen, sah sich Akkordzettel an. Er war wachsames Auge und Ohr seiner Abteilung.
Die Rudolf- Schwarz- Werke, Aktiengesellschaft, Glauchau( Sachsen ), waren vollbeschäftigt, arbeiteten in zwei Schichten. Die mechanische Spinnerei und Weberei arbeitete hauptsächlich für Heeresbedarf, für die Aufrüstung- wie fast die ganze deutsche Industrie.
Wegner blieb vor einer Klöppelmaschine stehen, wischte sich die Stirn mit dem Taschentuch, sah sinnend auf das verwirrende Spiel der Baumwollfäden. Sechzehn Spulen, zu einem großen Kreis geordnet, drehten sich blitzschnell, sandten weiße Fäden nach oben, dünne, helle Schlangen. Sechzehn Fäden fanden sich, legten sich um einen festen Hanfkern, schräg nebeneinander, haargenau, mit feinen sauberen Rillen. Sechzehn Fäden wurden in Sekunden zu einer festen Kordel, die oben durch den Führungsring der Maschine, fertig, selbsttätig weiterglitt.
Wunderwerke der Technik, Zeugen menschlichen Denkens und Handelns, waren diese Maschinen wie oft hatte Wegner
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