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Kommissar Eder drehte sich brüsk um, ging zu seinen Beamten, die wartend an der Tür standen. Sander! Sie scheint seine rechte Hand und in alles eingeweiht zu sein. Die sehen wir uns noch genauer an, vor allem ihre Wohnung, beschloß er.
Kommissar Meyer und seine Kollegen waren von vornherein der Auffassung gewesen, daß Frau Ziegler und ihr Mann harmlose Menschen seien, völlig ahnungslos, wer diese Eva Wegner war, die bei ihnen wohnte. Das Haus war von dem dicken Kommissar Schneider aus dem an der gegenüberliegenden Straßenseite gemieteten Zimmer lange genug beobachtet worden. Über Ziegler waren an seiner Arbeitsstelle genaue Informationen eingezogen worden, und die waren zufriedenstellend. Der Mann war zuverlässig und ordentlich. Das zeigte eine neue, raffinierte Seite der Wegner. Die wohnte aus gutem Grund bei anständigen Leuten, führte zwei Leben: das einer Illegalen und das eines harmlosen Mädchens.
Die Wohnung der Zieglers rechtfertigte ihre vorgefaßte Meinung. Blitzsaubere, einfach, aber gemütlich eingerichtete Zimmer; ein Hitlerbild, ein Kalender der Arbeitsfront an der Wand. Doch Kommissar Meyer wollte sich nicht von Diebold sagen lassen, daß er irgend etwas unterlassen hätte, deshalb wurde alles durchsucht. Das Zimmer der Wegner mikroskopisch genau. Nichts, nichts, was einen belastenden Beweis gegen die Wegner ergab!
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Kommissar Meyer nahm sich Frau Ziegler vor. Vielleicht war ihr doch irgend etwas aufgefallen! Die Frau mußte erst mal beruhigt werden, die war ja völlig verdattert. ,, Na, nun nehmen Sie sich mal zusammen, Frau Ziegler, gegen Sie haben wir ja nichts", begann er.
Die kleine rundliche Frau, deren Haar an den Schläfen schon weiß wurde, war die ganze Zeit jammernd neben den Beamten
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