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Sache Baumann und andere : Roman / Jan Petersen
Entstehung
Seite
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Im Korridor draußen trappten Stiefel, dann sagte jemand: " Jawohl, Herr Inspektor!"

,, Hier, sehen Sie sich mal das Auto des Doktors genau an!" ,, Jawohl, Herr Inspektor!"

Einen Augenblick war es still, dann hörte Dr. Kramer ein knappes: Gut, gut!" Inspektor Diebold hatte seinen Unter­gebenen flüsternd gefragt, ob die Durchsuchung in den anderen Zimmern beendet und etwas Belastendes gefunden worden sei. Die erste Frage hatte Behnke bejaht, dann aber verneinend den Kopf geschüttelt.

Diebold stieß die Tür zum Sprechzimmer auf. ,, Kommen Sie!" befahl er.

Seitdem die Schwester zu ihm gekommen war, um ihm zu sagen, daß die Geheime Staatspolizei ihn zu sprechen wünsche - er hatte gerade einen Patienten untersucht, der mit entblöß­tem Oberkörper vor ihm stand-, hatte Dr. Kramer sein Sprech­zimmer nicht verlassen dürfen. Jetzt sah er auch die Verwüstung in den anderen Räumen. Seine Lippen wurden schmal. Soviel wußte er, protestieren war sinnlos, dadurch konnte er seine Lage nur verschlechtern, die Willkür der Gestapo nur noch steigern.

Die Schwester stand mit roten, verweinten Augen bei einer Gruppe Männer. Ihre weiße Haube war in Unordnung, ihre helle Schwesterntracht beschmutzt; sie hatte viele Ecken, alle Winkel der Wohnung ausräumen müssen.

,, Herr Doktor- Herr Doktor...", sagte sie mit schwimmen­den Augen.

,, Gehen wir!" befahl Diebold.

Zwei Kommissare nahmen den Arzt in ihre Mitte. In Kramer bäumte sich alles auf. ,, Sie verhaften mich? Ohne jede Be­gründung!"

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