XII
Baumann stellte seinen Tschako in den Kleiderschrank, nahm seine Mütze heraus und sah auf seine Uhr: neunzehn Uhr.
Er schnippte nervös mit den Fingern. Was fange ich wieder mit dem verfluchten langen Abend an? Wie schlage ich bloß die Zeit tot? Schlafen kann man nicht... Ich kann mich doch nicht schon wieder für Sonderstreifen melden! Geht mir auch schon auf die Nerven, und dem Obermeister fällt das bestimmt auf. Der hat in der letzten Zeit sowieso bei mir ein Haar in der Suppe gefunden. Er übergeht mich oft, wenn er Mannschaften aussucht. Das sieht ein Blinder...
Vor einer halben Stunde hatte sich Baumann beim Obermeister des Polizeireviers von seiner Streife zurückgemeldet, das Streifenbuch abgeliefert und Bericht erstattet.
,, Bis morgen dann, Baumann. Und frisch!" hatte der Obermeister mit deutlichem Unterton und einem merkwürdig kritischen Blick gesagt. Baumann konnte nur die Hacken zusammenschlagen: ,, Zu Befehl! Heil Hitler!"
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Baumann nahm seinen Tschako wieder aus dem Schrank, sah auf den glänzenden schwarzen Lack. Blank und sauber... Berufsehre, Pflichterfüllung, unbedingte Zuverlässigkeit: das war einmal. Alles zum Kotzen, zum Kotzen! Er stellte den Tschako in das Fach zurück, schlug die Schranktür mit einem Ruck zu. Die Kameraden im Tagesraum sahen sich erstaunt nach ihm um. ,, Oho!" machte einer.
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