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XI
Es war ein Morgen wie jeder andere. Eine Seite der Grünstraße lag in einem hellen Streifen Sonne. Im Restaurant ,, Zum guten Schoppen" saß der Wirt dicht hinter der Schaufensterscheibe. Die Sonne schien ihm ins Gesicht. Er rekelte sich wohlig, sah in die im Licht tanzenden Staubkringel. Lohnt sich nicht mehr, die Zeitung zu lesen, dachte er, in allen Zeitungen steht heutzutage derselbe Zimt. Man muß sich eben Zeitungen halten, für die Gäste. Er schnalzte mit der. Zunge. Der Kaffee war wenigstens gut! Braucht man, wenn man die halbe Nacht hinter dem Ausschank steht und schon morgens einen Brummschädel hat.
Der Wirt sah auf die Straße. In die Einfahrt des großen Textilgeschäftshauses gegenüber fuhr ein Lastwagen mit Anhänger. Ein Briefträger kam die Straße herunter. Der Wirt sah ihn in das Haus gehen und dann im Fahrstuhl hochfahren. Der Treppenflur des modernen Hauses hatte zur Straße eine durchgehende Fensterverkleidung, man sah den Fahrstuhl bis ins oberste Stockwerk steigen. Rechts von dem Geschäftshaus war ein Woll- und Posamentierwarengeschäft. ,, Nur für Grossisten" stand an der Ladenscheibe. Ein Mann hantierte im Schaufenster. Der alte Lehmann dekoriert wieder mal, dachte der Wirt. Als ob das Kunden herbeizaubern kann! Miese Zeiten, heutzutage, der Lehmann ist zu bedauern mit seinem Ersatzstoffkram.
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