an. Viele von ihnen sterben vor Erschöpfung. Unterdessen kämpfen Jagdflieger über dem Lager und in der Nähe. Flackgeschütze krachen Der Flughafen von Schleisheim in der Nähe brennt. Viele SS -Männer fliehen überstürzt. Unerwartet rufen Kameraden:„Seht dort, die weiße Fahne flattert. Das Lager ist übergeben. Wir sind frei.‘ Ich selbst sehe die weiße Fahne auf einigen SS -Gebäuden. Wir sind gerettet. Niemand darf mehr die Lagerstraße oder den Appellplatz betreten. Verbotswidrig eile ich oft zu Freund Philipp, der mich über die neuesten Ereignisse auf dem Laufenden hält.
Wir schreiben Samstag, den 28. April. Ohne Unterbrechung ver- lassen SS -Männer in größter Aufregung das Lager. Eine lange Pro- zession von Neuankömmlingen zieht durch das Tor. Es sind meist wandelnde Leichen. Einige brechen tot zusammen. Das politische Büro teilt keine Nummern mehr aus, ersieht aber aus den Begleitpapieren, daß es 116 meist schwerkranke Frauen aus Leipzig und 5628 Männer aus sieben andern Lagern sind. Obendrein stehen auf dem toten Gleis vor dem Westtor des Lagers noch 15 bis 20 Waggons, in denen jetzt 2600 Leichen liegen. Es handelt sich meist um Kameraden aus Flossen- burg und Buchenwald , die in den Abteils vom Hunger dahingerafft wurden. Das Bestattungskommando transportiert die Leichen zum Krematorium. Bis gegen Mitternacht dauert die grausige Arbeit. Plötzlich fliehen all SS -Leute, die dieses Kommando beaufsichtigen. Die Kameraden der Bestattungsabteilung eilen zu ihren Blöcken. Berge von Toten türmen sich noch am Lagerbahnhof, am Krematorium und auf der Blockstraße der Revierbaracken auf. Ich besitze viele photographische Aufnahmen von diesen Bildern des Grauens.
Sonntag, den 29. April. Bis gegen Mittag werden in der Kapelle hl. Messen gelesen. Auch viele Laien wohnen bei. Die nervöse Auf- regung steigt, als plötzlich vom SS -Lager her Gewehrgeknatter zu unsern Ohren dringt. Lagerbrücken und auch einige SS -Baracken fliegen krachend in die Luft. Die SS -Leute haben selbst das Feuer angelegt. Angstvoll richten wir die Blicke auf die Gebäude des Kre- matoriums. Nazi hatten uns versichert, daß kurz vor der Übergabe die Verbrennungsanstalt durch Dynamit gesprengt würde. Alle SS -Leute, die bisher im Lager wohnten, sind spurlos verschwunden. Etwa 300 unbekannte Beamte rücken heran, bitten höflich, Disziplin zu be-
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