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zu dem Appellplatz. Dort stehen wir über eine Stunde. Amerikanische Flieger kreisen immer wieder über uns her. Einige Bomben fallen auf das Dachauer Bahngleise, sogar eine in das SS-Lager. Rauch steigt auf. Erneuter Befehl, nochmals zu den Blöcken zurückzukehren. Unser Transport nach Tirol ist auf die kommende Nacht verschoben. Vor- läufig dürfen nur Reichsdeutsche und Russen abmarschieren, 11 000 an der Zahl. In Gruppen zu je 1500 Mann schreiten sie durch das Tor. Etwa 1000 SS -Männer und viele Spürhunde sind die Begleiter. Ich stehe an der Ecke eines Blocks, reiche noch manchem Freund die Hand und denke:Auf Wiedersehen im Himmel. Der Zeiger der Lageruhr steht zwischen acht und neun Uhr abends. Gerade will ich ins Bett. Da kommen Ehrenhäftlinge heran, die vorübergehend in der früherenhöheren Töchterschule untergebracht worden waren. Als ich Monseigneur Piquet die Hand reiche, wird mein Auge feucht. Trotz der brüllenden SS-Leute, die uns zurückdrängen, begrüße ich noch den Prinzen Francois Xavier de Bourbon, erkenne unsern früheren Minister Leon Blum , den Pastor Niemöller, den Bürger- meister Schmitt aus Wien , den früheren österreichischen Bundes- kanzler Schuchnigg, der mit seiner Frau und seinem fünfjährigen Mädchen.dahinschreiten.....

Werden diese Ehrenhäftlinge ermordet? Erst in der Heimat sollte ich erfahren, daß sie alle in Italien gerettet worden sind. Kummer- vollen Herzens gehe ich zum Block Nr. 26 zurück. Eine schlaflose Nacht. Kanonendonner rollt, Flieger surren, Bomben krachen. Jede Minute kann uns den Tod bringen.

Am 27. April schleiche ich nach der hl. Messe in ein Büro, um Nachrichten zu erhaschen. Nur Widersprechendes wird erzählt. In der Nacht sind 562 Neuankömmlinge aus Flossenburg angekommen. Ihre Kleider liegen auf dem Appellplatz. Jede Ordnung ist dahin. Unsere verstärkte Häftlingspolizei kontrolliert die Blöcke. Kamerad Philipp von Sarreguemines ist ihr Chef. Von ihm erfahre ich etwas Sicheres. Kein Häftling könne mehr das Lager verlassen. Die Bahn- gleise sind zerstört, die Straßen nicht mehr passierbar. Hunderte von Juden sind in Waggons verladen worden, die immer noch am Bahnhof stehen. Die armen Leute schreien, müssen vor Hunger sterben. Einige hundert Jüdinnen, die zwei Tage umherirrten, kommen

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