Lixing les Saint-Avold, 3350 Leichen verscharren. Das Dachauer Lager bot damals ein Bild des Grauens.
Befreiung durch die Amerikaner
Anfang April drang der Kanonendonner immer näher. Es herrschte bei den SS -Leuten, mehr noch bei uns Inhaftierten, eine unbegreifliche Aufregung. Es ging um Leben und Tod.
Tagebuchnotizen geben Aufschluß über die sich überstürzenden Ereignisse der zweiten Hälfte des Monats April 1945. Am 14. April telegraphierte Himmler dem Dachauer Kommandanten, das Lager sofort räumen zu lassen. Kein Häftling dürfe lebend in die Hand der Feinde fallen. Zwei Tage später langt ein großer Transport von Neu- ankömmlingen an. Lebende, Sterbende und Tote liegen auf dem Appellplatz durcheinander. An einigen Leichen sind Fleischteile herausgerissen. Der Hunger hat Halbwahnsinnige zu Menschen- fressern gemacht.
Am 17. April bekommt der Kommandant von Himmler ein neues Telegramm mit der Aufforderung, alle Lagerinsassen nach Tirol ab- transportieren zu lassen. Nur die Kranken sollen verbleiben. Es werden etwa 200 Geistliche entlassen, die Kardinal Faulhaber unter- bringt. Nur drei Lothringer sind dabei. Mit banger Sorge fragt sich jeder, ob er jetzt in letzter Minute nach den langen Jahren furcht- barer Leiden doch noch umgebracht werde. Schweizer Rotekreuzautos bringen die Schweizer Kameraden in ihre Heimat. An die 400 Dänen werden durch schwedische Autocars abtransportiert. Gerüchte machen uns Franzosen Hoffnung auch heimbefördert zu werden. Es sind nur eitle Latrinengerüchte.
Die Akten werden am 18. April aus den Büros wegtransportiert und verbrannt. SS -Leute packen ihre Habseligkeiten ein. Hochbeladene Lastwagen rollen von jetzt ab Tag und Nacht aus dem Lager. Ein elsässischer SS-Mann sagt mir, daß auf ein bestimmtes Zeichen der Sirene hin alle Nazi abmarschieren werden. Es verblieben dann nur noch.300 SS -Wärter. Immer tollere Gerüchte zirkulieren. In den
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