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eine Kolonne von 1200 Mann im Schnee, bei einer Kälte von min­destens 10 Grad, leicht gekleidet, ausgehungert, mit erbärmlicher Kost versehen, unter Anführung grober SS- Leute langsam dahin, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, tagein, tagaus, während 41 langer Tage. Sobald sich ein Häftling nur einige Meter von der Gruppe absonderte oder vor Mattigkeit zu Boden sank, wurde er ohne Erbarmen nieder­geknallt. Als wir eine Waldlichtung durchquerten, begann von Seiten dieser herzlosen Barbaren eine wilde Schießerei.. Wohl an die 400 meiner Kameraden wurden hingemordet. Die übrigen 800 trieb man mit Kolbenstößen weiter. Welche trostlose, unsichere Zukunft! Bei Katschen kamen wir gegen Abend in eine enge Talmulde. Rund um uns stellten sich die SS- Männer schußbereit auf. Entsetzt betrachteten wir einander, schauten wir ja dem sicheren Tod in die Augen. Unsere letzten Gedanken weilten bei den Lieben in der Heimat. Was hielt diese Unmenschen vor dem Mord zurück? Wir wissen es nicht. Die SS- Männer führten uns aus der Mulde in einen Bunker, in dem wir zusammengepfercht die Nacht stehend verbrachten. Auf dem Weiter­marsch schliefen wir abgehetzt oftmals in Scheunen, nicht selten aber auch auf dem mit hohem Schnee bedeckten harten Boden. Täglich sanken viele zu Boden; diese erhielten einen Schuß in die Schläfe oder ins Genick und wurden in fremder Erde begraben. Niemand schrieb die Namen der Toten auf. Heute werden zahllose Kameraden als ver­miẞt gebucht. Wir können leicht ahnen, wo die Bedauernswerten ge­blieben sind. Von Reichenbach nach Dachau wurden wir, bei einer Kälte von durchschnittlich zehn Grad, in offenen Güterwagen trans­portiert. Jeder von uns besaß nur eine Decke. Bei unserer Ankunft in Dachau hatten wir in unserm Waggon über 40 Tote. Wir legten dieselben unterwegs in den Waggons entlang der Wände. Tagsüber setzten wir uns auf die Leichen, nachts dienten sie uns als Kopfkissen. Wie roh und gefühllos sind wir halbwahnsinnige Menschen geworden! Kein Wunder, daß von den 1200 Mann nur 208 in Dachau ankamen. Eisenbahner Bretnacker aus Sablon- Metz langte am 28. April 1945 in Dachau an. Sein Bericht gibt uns ein traurig- anschauliches Bild von dem jämmerlichen Zustand, in dem die neuen Kameraden eingeliefert worden sind. Gegen Ende März 1945 dringt das Donnern der amerikanischen Geschütze näher. Hoffnungsfroh richten sich

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