In der ersten Juliwoche 1944 liefen zwei Züge mit Franzosen aus Compiegne ein. Am 5. Juli erlebten wir geradezu Unglaubliches. In den Viehwagen lagen unter den Lebenden 370 Leichen. Die Feder sträubt sich, zu erzählen, wie diese bedauernswerten Landsleute durch Hunger, Durst und Hitze während der mehrtägigen Reise von Com- piegne bis Dachau unter den gräßlichsten Schmerzen dahinstarben. Peupion Felix, Bürgermeister von Montigny-Metz, der zu diesem Totentransport gehörte, berichtete mir folgendes: Als der Zug an einem Bahnhof hielt, bat ich einen SS-Mann, der vor dem Waggon stand, doch die Leichen entfernen zu lassen und den Lebenden etwas Wasser zu reichen. Da gab der Unmensch die schamlose Antwort: „Ireten Sie den Leichen auf den Bauch, dann spritzt Wasser heraus, das Sie saufen können.‘ Leider ist mein Kamerad Peupion wohl an den Folgen dieses Transportes am 10. Februar 1945 in Dachau gestorben.
Mein lothringischer Landsmann Thillot Auguste aus Scy bei Metz gehörte mit seinem Sohn Jules auch zu diesem Transport. Als Häftlinge die vielen Hundert Leichen aus den Abteilen trugen, hörte Vater Thillot, wie ein SS-Mann laut sagte:„Diese verfluchten Hunde stinken wie die Pest, und doch leben noch viel zu viel.“
Ein reichsdeutscher Pfarrer, der Zeuge des Totentransportes war, sagte zu mir:„Dies allein kann Deutschland nie wieder gut machen, nie genug sühnen.‘“
Im September 1944 räumten die Nazi das Lager Natzweiler . In einem Zeitraum von vier Tagen schob der Lagerkommandant 18 000 Häftlinge nach Dachau , nachdem zuvor zahlreiche Männer und Frauen erhängt und eingeäschert worden waren.„Die Flammen der Ver- brennungsanstalt schlugen zwei Meter hoch zum Schornstein hinaus“, so erzählten die Ankömmlinge. i
Am 26. November 1944 kam ein großer Transport vom Mordlager der goldenen Bremm bei uns an. Ich notierte die Namen von 142 Lothringern, von denen 72 in kurzer Zeit in Dachau starben.
Der lothringische Lehrer Fischer Emile aus Willerwald sah Dachau am 28. Februar 1945 zum zweitenmal. Er schilderte mir seine tragische Flucht vor den Russen: Am 18. Januar 1945 begann der Abmarsch aus der Gegend von Auschwitz . Mit seltenen Pausen trabte
150
die


