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Auch für Erholung wurde jetzt besser gesorgt. Wir besuchten während dieser milden Periode mindestens zweimal im Monat ein Kino, das meist schöne Sprachfilme darbot. Hie und da veranstalteten Häftlinge Theatervorstellungen, sowie Musikabende, wo Berufs- künstler Vorzüglichstes leisteten. Fußballspiele, besonders Länderwett- spiele ergötzten die Jugendlichen.

Der Häftlingsgesundheitszustand besserte sich bedeutend. Jeder objektive Dachauer Geschichtsschreiber muß zugeben, daß im Re- vier die Krankenpflege während dieser Zeit nicht beanstandet werden konnte. Schwere Operationen an Häftlingen wurden sogar in den großen Münchener Spitälern vorgenommen. Als im Spätfrühjahr 1945 vorübergehend eine Typhusepidemie ausbrach, standen alle Betriebe fast fünf Wochen still. Wir mußten von abends 9 bis morgens 3 Uhr im Bett liegen bleiben. Begreiflicherweise sank die Ziffer der Sterbe- fälle bedeutend.

Im Jahre 1940 kamen auf durchschnittlich 6000 Häftlinge 1515 Todesfälle, im Jahre 1941 auf 9000 deren 2576, im Jahre 1942 auf 12000 Häftlinge deren 470 und im Jahre 1943 auf 18000 Häftlinge nur 1102.

Im Sommer 1944 änderte sich aber unsere Lage wiederum zum Schlechteren. Unter dem Druck der heranrückenden Amerikaner wurden Gefängnisse und Lager geräumt und deren Insassen nach Dachau verschoben.

Vom 2. Juli 1944 ab strömten Neuankömmlinge in großen Massen herbei. Gelegentlich des Transportes vom 26. Juni 1944 erhielt unser lothringischer Kamerad Aubertin Marcel die Nr. 74791. Am Tage der Befreiung hätte der letzangekommene Leidensbruder die Nr. 168254 erhalten, wenn alle Nummern ausgeteilt worden wären. Vom 26. Juni 1944 bis zum Ladenschluß kamen demnach 93463 unglückliche Menschen hinter unsern Stacheldraht. Wir Geistlichen nahmen meist die Personalien der Neuankömmlinge auf. Mit eigenen Augen sahen wir unsagbares Elend und hörten mit eigenen Ohren grauenhafte Berichte. Da versagten unsere hartgewordenen Nerven, da wollte unsere Phantasie die Bilder des Grauens nicht mehr aufnehmen. Nur Weniges soll von einigen Transporten erzählt werden, die seit Juli 1944 in Dachau anlangten.

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