an den verdutzten Gesichtern. In Dachau zogen jetzt bejahrte, grau­bärtige und krummbeinige Wehrmachtlandsturmleute als Wächter ein. Diesen harmlosen Männern paßte die SS- Uniform wie dem Schaf der Wolfspelz. Beglückt sahen wir zu, wie diese Zwangs- Nazi ihren Dienst mit gleichgültiger Wurstigkeit versahen. Ganz neue, köstliche Bilder traten vor unsere Augen: SS - Männer spielten mit uns Karten, SS­Männer beteten in der Kapelle, SS - Männer hüteten die Pfarrer mit dem Rosenkranz in der Hand, SS - Männer leisteten uns Mithilfe beim Übertreten der Lagerordnung, ja SS - Männer betrieben mit uns bewußt Sabotage. Es waren ja nur vereinzelte Fälle, doch es knisterte und krachte im morschen Gebäude Adolf Hitlers recht bedenklich.

Auch die Nazitorturen nahmen mildere Formen an. In den Blocks wurde angeschlagen, daß körperliche Mißhandlungen verboten seien. Der Lagerkommandant Weiß sagte einmal in unserer Gegenwart zu einigen SS - Männern: ,, Die Häftlinge sind auch Menschen." Das An­treiben zu überschneller Arbeit fiel in Mißkredit. In fast allen Be­trieben, außer in den wehrwichtigen Kommandos, kam die Scheinarbeit zur Blüte. Ich selbst hörte, wie der rauhborstige Rapportführer Ruppert spöttelte: ,, Ihr seid jetzt im Vergleich zu früher in einem Er­holungsheim. Ich werde veranlassen, daß jeder Häftling einen Regen­und einen Sonnenschirm erhalte."

Auch beim Personal und im Capodienst trat nach und nach ein radikaler Umschwung ein. Aus den groben Häftlingsschindern mau­serten sich langsam gleichgültige Vorgesetzte, kameradschaftlich ge­sinnte Chefs, schließlich gar kühne Nazibekämpfer.

Die Ernährungsfrage änderte sich ebenfalls zum Bessern, obwohl die Häftlingskost miserabel blieb. Sämtliche Gefangenen durften Pa­kete von beliebigen Personen und beliebigem Umfang aus der Heimat erhalten. Der Inhalt all dieser Pakte wurde uns restlos übergeben. Mit Ausnahme der Russen empfingen fast sämtliche Häftlinge Liebes­pakete. Die Paketempfänger gaben jenen Kameraden gern und reich­lich, die keine Fühlung mit ihren Familien hatten. Selbst in der Kantine konnten wir um diese Zeit Lebensmittel kaufen, wie Milch, Käse, Tabak, Zigaretten, anfangs auch alkoholfreies Bier, später sogar Nor­malbier. Es war uns sogar gestattet, den ärmeren Häftlingen Geld zu überweisen.

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