liehen hatte. Die peinliche Angelegenheit schien also beigelegt zu sein. Das war aber nicht der Fall. Das dicke Ende kam, allerdings mehr als Komödie denn als Tragödie.
Meine Pfarrei Rech, wo ich nun bereits 27 Jahre wirke, feiert Maria Heimsuchung als Patronsfest. Kein Wunder, daß ich am ersten Sonntag im Juli 1944 während des Hochamtes inniger als sonst mit meinen Pfarrkindern im Gebet vereint war. Als der Zelebrant gerade das Gloria anstimmte, schrie jemand in unserer Blockstraße: ,, Goldschmitt, zum Bunker antreten!" Also doch bestraft! Dazu der Sonntag ausgewählt! Ich stürzte die Kapelle hinaus. Ein Schreiber des Lagerbüros führte mich zum Gebäude der Bunker. Dort angekommen, belieẞ man mir nur ein Taschentuch und den Rosenkranz . Auf meine Frage, warum ich eigentlich bestraft werde, meinte ein SS- Mann: ,, Sie haben in der Kirche falsch gesungen." Der Grund meiner Verhaftung blieb mir unbekannt. Ob es die Spielkarten, die Badoglio- Strümpfe oder die angebliche Drohung waren, ist übrigens belanglos. Jedenfalls bekam ich drei Tage ,, Bulles" mit halber Lagerkost, und während 48 Stunden Dunkelarrest. Zwei Tage lang in einer stockfinsteren Zelle sitzen zu müssen, ist ja langweilig, aber ertragbar. Der Hunger der drei Tage kann als verdienstliches Fasten mit in Kauf genommen werden. Mit diesen stärkenden Gedanken schritt ich die Treppe hinauf. Hier reihte sich Zelle an Zelle. Ein SS- Wärter schob mich in einen engen, hellerleuchteten Raum, in dem mein geistlicher Mitbruder, der westfälische Professor, eine mehrwöchige Haft wegen seines Briefschmuggels absaß. Wir waren also zu zweien, hatten allerdings nur eine Holzpritsche ohne Strohsack und jeder eine Decke, konnten aber miteinander plaudern. Da der steife Westfale wortkarg war, ging das Schwatzen auf meine Kosten. Nach ein paar Minuten bekamen wir schon Besuch. Ein mir längst bekannter SS- Mann trat ein. Es war der Hauptscharführer Aron aus Ensisheim im Elsaß . Er wohnte dort in der nämlichen Straße, in welcher eine meiner Nichten zuhause ist und von der mir Aron schon öfters Grüße überbracht hatte. Aron bekleidete hier das Amt eines Kerkermeisters. ,, Ich bin doch ein wahres Glückskind", dachte ich bei mir. ,, Immer wieder schickt mir der Himmel einen Sonderschutzengel, diesmal gar einen in der Naziuniform." Aron war, wie ich längst wußte, eine
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