Wegnahme dieses Privateigentums beim Lagerführer Jung Be- schwerde vortragen. Da ich Jung ohne Voranmeldung zu jeder Zeit besuchen durfte, humpelte ich mit meinem verletzten Fuß zu den Büros der SS. Wir hatten gerade einen Skat gekloppt. In der Zer- streuung steckte ich die Spielkarten in die Tasche. Diese Unklugheit kam mich teuer zu stehen, denn eine neuere Verordnung hatte das Kartenspielen untersagt. Unterwegs fiel mir dies ein. Statt nun zum Block zurückzukehren und diese Spielkarten wie bisher in einem mit Sand angefüllten Eimer zu verstecken, die zum Löscher eines even- tuellen Brandes im Waschraum standen, schob ich die Spielkarten unter den Badoglio-Strumpf, dummerweise noch gerade unter den des verletzten Fußes.
Als ich mich beim Posten zur Audienz anmeldete, schickte mich dieser nicht zu Jung, sondern zu den Rapportführern. Böttcher und Kuhn standen angriffsbereit da. Wie ich später erfuhr, wußten beide durch feigen Verrat eines Kameraden den Zweck meines geplanten Besuches bei Jung und erblickten darin eine Denunziation, da ja Böttcher und Kuhn es waren, die das Privateigentum beschlagnahmt hatten. Die üblichen Schimpfereien und Drohungen wegen angeblichen Anschwärzens untergeordneter Vorgesetzten beiOffizieren ließ mich kalt. Meine Beschwerde wurde grob abgewiesen. Nun verlangte ich höflich eine Audienz beim Herrn Lagerkommandanten oder die Er- laubnis, dem Herrn Reichsführer Himmler die Angelegenheit schrift- lich unterbreiten zu dürfen, da ich ja nach Aussagen des Herrn Trenkle von Himmler zum Vertrauensmann der Pfarrer auserkoren worden war.„Das ist eine gemeine Drohung”, schrie Böttcher, griff mich an der Gurgel und holte zum Schlagen aus. Unerschrocken folgte die Antwort:„Ich habe nicht gedroht, nur gebeten. Sie werden doch wohl keinen 60jährigen Greis, dazu noch einen kommissarischen Bischof schlagen.” Wütend stieß Böttcher mich beiseite, während sich der sonst so grobe Kuhn sonderbarerweise ruhig verhielt. Als ich gerade weggehen wollte, fragte letzterer, warum ich hinke. Nach- dem die Erklärung abgegeben war, schrie Kuhn:„Die Wunde vor- zeigen!“ Jetzt war ich mit meinen Badoglio-Strümpfen und den Spiel- karten jämmerlich blamiert. Böttcher brüllte scheinbar entrüstet:„Sie Saupfaff wagen eine Reklamation und sind selbst doppelt im Fehler.
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