war dies, trotz des Verbotes, stillschweigend geduldet worden. Plötz- lich untersagte die SS -Leitung den Geistlichen jedes Almosengeben, das jetzt wieder als indirekte religiöse Beeinflussung galt. Der Lager- kommandant verfügte obendrein über die beiden Pfarrerblocks eine 14tägige Brotsperre. Zwei Wochen lang ohne Brot, das war eine harte Strafe. Die meisten Kollegen waren der Ansicht, ich müsse eine Beschwerde einreichen. Mein schriftliches Gesuch um eine Audienz beim Lagerkommandanten hatte Erfolg. Die Aussprache war peinlich genau vorbereitet. Ich wurde zum neuen Lagerführer Lippmann be- schieden.

Dieses kurzgewachsene, nicht unfreundliche Männchen hörte mit sichtlichem Interesse meinen Erörterungen über den Nutzen unserer Freigebigkeit zu. Wir Geistlichen erbäten ja eigens für die hungernden Kameraden, die keine Pakete bekommen können, Liebesgaben von zu Hause. Unsere Almösen fördere doch zweifelsohne die Arbeitsfähig- keit vieler Mithäftlinge, was gewiß im Interesse des Endsieges läge... Ein Mann mit hungerndem Magen leiste sicher weniger, als ein gesät- tigter... Uns zwei Wochen lang wegen idealer Kameradschaftlichkeit das Brot zu entziehen, sei doch eine empfindliche Strafe und würde gewiß außerhalb des Lagers erzählt und als Kulturkampfakt kritisiert werden.... Die Brotsperre hörte sofort auf. Wir Geistlichen durften unseren näheren Landsleuten im Lager persönlich Liebesgaben über- reichen, den Invaliden weiterhin Geld überweisen und einmal in der Woche auf das uns zustehende Brot zugunsten der Kameraden, die in schweren Kommandos arbeiteten, Verzicht leisten, was jeden Freitag geschah.

Dem Rapportgesuch war diesmal voller Erfolg beschieden. Leider hatte ich aber ein paar Wochen später entschieden Pech. Meine Inter- vention zugunsten reichsdeutscher Kollegen erbrachte mir die erste und die einzige Lagerstrafe.

9. Scharfer Zusammenstoß mit SS-UVorgesetzten

Kameraden der Außenkommandos erzählten uns, daß manche Zivilisten in den Städten Dachau und München die Brotsperre der Pfarrer scharf kritisierten. Jedenfalls erhielten wir aus München von

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