Spital und die Erholungsgelegenheiten wie Theater, Kino, Fußball­spiel, Rezitations- und Musikabende, sowie die reichhaltige Bibliothek.

Das Bittgesuch um Entlassung lehnte ich mit der Begründung ab, ich sei unschuldig eingesperrt; ich könne demnach die Freiheit nicht erbitten, die mir rechtlich zustände. Meine Entlassung wäre auch zwecklos, ja ungünstiger für mich als die Internierung. Ich müßte nämlich daheim meine kirchlichen Amtspflichten wieder genau so ver­richten, wie vor meiner Inhaftierung, würde also nochmals eingesperrt und gezwungen werden, meine Leidensstationen von vorne anzufangen.

Eine fast vierstündige Aussprache über die einzelnen Punkte ver­lief korrekt. Die Offiziere grollten mir nicht. Einer der Herren meinte spöttisch: ,, Ihr Schriftstück ist recht jesuitisch abgefaßt." Bevor ich weggeschickt wurde, erbat ich für meine eingesperrten Kollegen mil­dernde Umstände.

Es wäre gewiß interessant, Einzelheiten der langen Unterredung näher zu beleuchten. Aber nur weniges kann Erwähnung finden. Einer der beiden Offiziere verfügte über staunenswerte theologische Kennt­nisse. Er gebrauchte auch Redewendungen, die man nur bei Geist­lichen anzutreffen pflegt. Er war wohl ein abgefallener Priester. Als gelegentlich Rede von meiner alten Mutter war, die sich gewiß über meine Entlassung freuen würde, sagte ich diesem SS - Offizier: ,, Sie haben doch wohl auch ein Mütterlein daheim. Wie würde dieses sich grämen, wenn Sie unschuldig das Häftlingskleid achtzehn Monate lang tragen müßten." Da wurde das Auge des Offiziers feucht. Seine Mutter weinte vielleicht daheim mehr um einen miẞratenen Sohn, als meine Mutter um mich, da ich schuldlos die Ketten trug. Der fana­tische Nationalsozialismus hatte es bei diesem Manne nicht fertig ge­bracht, das Herz ganz in Stein zu verwandeln, wie es bei den meisten jungen SS - Leuten geschehen ist. Sein Kollege zeigte sich äußerlich hart und empfindungslos, blieb jedoch stets höflich. Unter anderem redeten wir von den ,, Parolen", die im Lager herumschwirrten. Da stellte mir dieser Offizier die Frage: ,, Kennen Sie die Strafe, die wir in Judenlagern anwenden, um den Parolenverkündern das Handwerk zu legen?" Auf meine verneinende Antwort erzählte er mir: ,, Der zu bestrafende Häftling wird drei Wochen lang mit Händen und Füßen an die Bettpfosten angebunden, sehr reichlich ernährt und darf zur

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