lassen, was die meisten mit Freuden taten. Werden sich die Bauern der Umgegend von Dachau wohl gewundert haben, als sie eines Tages Tausende von Knöpfen auf ihren Äckern wachsen sahen? Manch einer wird vielleicht gar noch annehmen, man hätte uns mit unverdaulichen Blechknöpfen gefüttert.

Abb& Fabing, heute mit dem Kreuz der Ehrenlegion geschmückt, bekleidete eine zeitlang das Amt unseres Capos. Er war in das Geheimnis der Sabotage eingeweiht. Wie lachten wir allabendlich, wenn die Zelte abgegeben wurden. Weißt du noch, Leo; wie ich dir einmal ins Ohr flüsterte:Do wäre die Preiße fluche wie die Tirke, wenn se mol die Knepp zumache un kän äner heppt. Es geschietne gonz recht. Wie kinne die Dunle so alte Paschdore enspärre un sie zwinge, Knepp anzenähe..

Wenn die Knöpfe Era: angenäht worden wären, hätten die verlangten hundert Knöpfe pro Tag acht bis zehn Stunden Arbeit erfordert. Mit unserem Schwindelmanöver war das Pensum in ein paar Stunden erledigt. In der Zwischenzeit beteten wir Brevier, lasen und hörten wissenschaftliche Vorträge in französischer, deutscher, polnischer und tschechischer Sprache. Sobald unser Wachtposten das Herannahen eines SS-Mannes meldete, flüchtete der Redner vom Pult und die Bücher verschwanden.

Bis einige Wochen vor der Befreiung blieb ich meist passives Mitglied des Vereins der Knopfannäher. Meine Hauptbeschäftigung bestand meist im Verzehren des Brotes mit Zubehör.

6. Die Hundeseppkatastrophe

Kommandant Weiß hatte in seiner Schwärmerei für die Lager- hunde dem bereits genannten Hundesepp uneingeschränktes Vertrauen geschenkt. Er ließ ihn, ohne die Begleitung eines SS-Wächters, unge- hindert außerhalb des Lagers mit den Hunden herumspazieren. Sepp benutzte die Gelegenheit, um öfters mit seiner Frau ein Rendez-vous zu organisieren und auch für seine Kameraden Briefe aus dem Lager hinauszuschmuggeln. Dr. Karls erzählte mir eines Tages, daß die Handschrift seines zukünftigen Buches über Dachau durch den Hunde- sepp glücklich bei seinen Verwandten in Elberfeld angelangt sei.

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