nicht aufgefallen wären.„Ihr Pfarrer solltet keine derartigen Stellen haben”, sagte er mir gelegentlich.„Ihr habt ein zu weiches Herz.’
Leider konnten weder die Kommunisten noch wir Geistlichen alle unsere Kameraden in Sicherheit bringen. Sooft die zum Transport Bestimmten das Lager verließen, drückte ich manchem zum letzten Male die Hand, munterte ihn auf und dachte gramerfüllt:„Auf Wieder- schen im Himmel!“
Dachau glich im Jahre 1944 nur zu oft einem Narrenhaus, blieb aber doch für viele Leidensbrüder eine furchtbare Hölle.-
5. Im Knopfkommando
Im Frühjahr 1945 wurden zirka 800 Pfarrer im Knopfkommando angestellt. Viele Geistliche hatten ihre Arbeitsstätte in der Kapelle. Vor das Chor spannten wir ein schwarzes Tuch. Wir saßen einer neben dem anderen auf Schemeln. Auch ich verdiente hier für eine zehnstündige sogenannte Arbeit täglich ein Stück Brot mit Wurst oder Margarine, was mir sehr mundete, da um jene Zeit keine Heimatpakete mehr anlangten.
Unsere Aufgabe bestand darin, Knöpfe und Knopflöcher an Zelttüchern anzubringen. Wir waren in drei Gruppen eingeteilt. Die erste maß und zeichnete die Abstände zwischen den einzelnen Knöpfer und den Löchern, dann stanzte sie mit Hilfe eines kleinen Werkzeuges die Öffnungen für die Knopflöcher. Diese Letzteren wurden nun von der zweiten Gruppe im Knopflochstich geschickt und fein ausbordiert. Ich gehörte zur dritten Gruppe. Wir mußten die Knöpfe annähen. Diese wurden in einer Reihe am Rande und teilweise auch in der Mitte des Zelttuches aufgesetzt, und zwar je ein Knopf auf der Oberseite und einer auf der Unterseite des Tuches. Der obere Knopf und sein Nachbar auf der Unterseite mußten gleichzeitig miteinander am Tuche befestigt werden, und zwar sollte die Nadel den Zwirn viermal durch die Öse der beiden Knöpfe ziehen. Das Gewebe des Zelttuches war äußerst zäh und steif. Es wehrte sich mit aller Kraft gegen die Nadel- stiche. Wohl standen uns Fingerhüte zur Verfügung; diese waren aber so winzig, daß kaum die Spitze des kleinen Fingers hineinzu-
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