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Ebenderselbe Pflaume stellte gelegentlich fest, daß Neuankömm- linge zum Ergattern guter Kommandos vielfach falsche Berufe angaben. Jeder wollte halt im Lager Koch, Metzger, Magaziner, Bürobeamter oder sonst was werden. Das ist ja recht verständlich, blieb aber für die meisten Häftlinge nur ein Wunschtraum. Ich bekam nun den strengen Befehl, die Berufsangaben schärfstens nachzukontrollieren. Selbstverständlich wurde weiter gemogelt. Professoren wurden in Schneider, Elektriker in Tagelöhner, ein Handwerker in einen bereits tonsurierten Theologiestudenten, ein Bürobeamter sogar in einen Pfarrer verwandelt. Manche dieser Metamorphosen kosteten Angst- schweißtropfen. Doch viele Kameraden sind durch solche Fälschungen vor schwerer Arbeit, besonders vor Transporten, verschont geblieben. In den Pfarrerblocks sollten nach Anweisung Pflaumes nur tonsurierte Seminaristen gemeinsam mit den Geistlichen wohnen. Wenigstens zehn der„geistlichen“ Häftlinge hatten überhaupt nie ein Priesterseminar inwendig gesehen. Gelt, Henry, du hattest es schön bei uns, obwohl du von der lateinischen Sprache soviel Ahnung besaßest, als mein Hund Tell vom Einmaleins?,
Bei Gelegenheit solcher Berufsfälschungen machte ich im Zugangs- block Nr. 15 eine interessante Bekanntschaft. Ein arg verängstigter Franzose wollte beichten. Es war Granger, der Bruder des Schwieger- sohnes des Generals Giraud. Die Gestapo hatte Granger, dessen Schwägerin, nämlich die Tochter Girauds, und deren vier kleine Kinder bei Tunis verhaftet. Ein Flugzeug brachte die Gefangenen nach Neapel . Granger sah schon zwei Tage später Dachau . Er blieb mir monatelang ein guter Kamerad. Das letzte Jahr verbrachte Granger als Ehren- häftling mit den Exministern Blum, Daladier , Mandel... in einem Schloß bei München . Wir korrespondierten von Dachau und dem Schloß aus illegal. Wehe uns, wenn wir ertappt worden wären.
Scharführer Krause war ein strohdummer, aber ganz gefährlicher Häftlingsschinder. Als er einen französischen Zöllner öfters blutig schlug, wurde er von mir ernstlich verwarnt. Ich durfte mir dies er- lauben, weil dieser Esel seine Liebesbriefe durch mich schreiben ließ und sich auch sonst vor uns arg blamierte.
Als Letzter kommt Unterscharführer Schratzenberger aus Pforz- heim an die Reihe.„Ah!“ wird mancher ehemalige Kamerad denken,
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