kamen 29 russische Offiziere ins Lager. Ich selbst hatte ihre Perso­nalien aufgenommen und ihnen durch den Dolmetscher Mut zuge­sprochen. Am 28. Februar mußten diese Offiziere neue Kleider anlegen. Etwas verschüchtert standen sie im Vorraum unseres Büros. Bevor sie abgeführt wurden, drückte ich einigen die Hand und schaute ihnen von unserem Fenster aus nach. O Schrecken! SS - Leute brachten die 29 Männer zum Krematorium. Ich zählte bald die Schüsse. Es waren 32. Am anderen Morgen brachte man uns, wie alltäglich, die Liste der tags zuvor Verstorbenen. Die Namen der 29 Offiziere waren mit drei anderen darauf verzeichnet. Ich schrieb die Personalien der er­mordeten Offiziere in mein Brevier. Nach der Befreiung erhielt ein russischer General über dieses Drama einen genauen und ein­gehenden Bericht.

Einige Monate später sah ich von unserem Bürofenster aus etwa 70 Frauen, die weinend auf dem Appellplatz standen. Ein Kollege machte sich eigens in der Nähe zu schaffen und meldete uns, daß die Unglücklichen französisch sprachen. Diese 70 Französinnen wurden am selben Tage gehängt. Gerade damals erhielt ich den bereits er­wähnten Platinring. Sollte nicht vielleicht auch Pierre mit Henriette zugleich aufgeknüpft worden sein? Viele Franzosen männlichen und weiblichen Geschlechts haben nämlich um diese Zeit als Maquisards ihre Vaterlandsliebe mit dem Strang bezahlen müssen. Sie trugen auf ihren Kartothekkarten die Buchstaben N. N. Wir deuteten das: durch ,, Nacht und Nebel". Der Tod solcher Kameraden ist nie gebucht worden, das Vermögen fiel an die Reichskasse, und die Angehörigen blieben offiziell ohne Todesurkunde.

Hauptscharführer Tulke leitete als Chef die Unterabteilung des politischen Büros, die alle Neuankömmlinge buchte. Abbé Seelig und ich arbeiteten mit ihm. Seit Sommer 1943 spielte ich bei Tulke den Dolmetscher. Damals schon stellte er sich offen auf unsere Seite gegen die Nazis. Wir vertrauten ihm rückhaltlos, und auch er schenkte uns uneingeschränktes Zutrauen.

Wenn wir durch unvorsichtiges Ausplaudern Tulke vor das SS- Gericht gebracht hätten, wäre er unrettbar an die Wand ge­stellt worden. Für diesen braven Katholiken stelle ich mich jederzeit gerne als Entlastungszeuge zur Verfügung.

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