Wir zwei stießen schon am ersten Tage seines Dienstantrittes zu­sammen. ,, Kerl, lehne Er sich nicht an die Wand! Gerade stehen soll Er, auch wenn Er mich nicht sieht", hauchte Kampe mich an.

Wenn Kampe mich mit seinem bösen Blicke erhaschte, ging das Donnerwetter los. Da wich ich ihm aus. Sobald der Wachtposten die Ankunft dieses allseits gehaßten Chefs meldete, nahm ich eine leere Mappe unter den Arm, steckte den Bleistift hinter das Ohr, setzte die Amtsmiene auf und ,, inspizierte" irgend ein Arbeitskommando des Wir hatten ein Innenlagers, wo geschwatzt und geraucht wurde.- nettes schwarzes Hündlein, das auf den Namen Lumpi hörte und im ganzen Lager wohlbekannt war. Wie lieb war uns das Tier! Da schrie Kampe uns einmal an: ,, Ihr Arbeitseinsatzbrüder seid Schurken, wie alle anderen. Kein Privileg mehr! Der Hund verschwindet sofort!" Kampe hatte sich stets ein boshaftes Vergnügen daraus gemacht, uns das Leben sauer zu machen, mehr noch das der anderen Leidens­genossen. Gottlob blieb diese Bestie in Menschengestalt nur kurze Zeit im Lager.

Gemütlich saß ich manchmal im Zimmer des zweiten Lager­führers Jung. ,, Das ist geflunkert", wird beim Lesen dieser Zeilen der Dachauer Kamerad denken. ,, Wir mußten ja in Anwesenheit eines SS- Kerls stramm stehen." Pardon, ich saß, ja ich saß auf der Tisch­decke und Jung neben mir. Noch schlimmer war es, wir plauderten französisch miteinander. Schade, daß ein rechtdenkender Mensch, wie Jung, in einem Augenblicke tiefster Verblendung, die Naziuniform angezogen und sich dadurch eine schwere Kollektivschuld aufs Ge­wissen geladen hatte. Jung ist Elsässer, war französischer Soldat und Eisenbahnbeamter in Wolfskirchen, auch in Obermodern. Oft trat ich, für andere nie vergeblich, mit Bittgesuchen an diesen Lagerführer heran. Wenn er manchmal per Rad im Lager umherfuhr, sprang er oft ab wenn er mich sah, und erkundigte sich bei mir, was es Neues gäbe. Einmal sagte er wörtlich: ,, Wir wollen euch in Ruhe lassen, verhaltet auch ihr euch ruhig." Nur ein einziges Mal wollte ich für mich selbst um Hilfe bitten. Welches Pech! Jung fuhr mich grob an, und ich bekam drei Tage Bunker. Trotz alledem ist mir dieser Nazi- Elsässer lieb geblieben. Er bildete unter seinesgleichen eine rühmliche Ausnahme. Immerhin ist Jung ein Verräter an Frankreich .

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