die Gestapo im Lager eine geheime kommunistische Zellenbildung. Arg kompromittierende Schriftstücke wurden unter dem Dielboden eines Blocks aufgefunden. Man soll auch auf die Spur eines geheimen Kurzwellensenders gekommen sein. Fieberhaft nahm die Gestapo in den Blocks, auch in unserer Kapelle, Haussuchungen vor. Inwieweit wichtige Geheimnisse durch feigen Verrat zu den Ohren der SS - Leitung gelangt sind, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls sind Anfang Juli 1944 fast hundert Kommunisten im Lager erschossen worden. Klopfenden Herzens zählte ich zweiundneunzig Schüsse. Julius war nicht dabei, er saß aber lange Wochen im Bunker und Monate hindurch in der Strafkompanie.
Julius und andere Dachauer Kommunisten konnten damals die Erfahrung machen, daß geistliche Arbeitseinsatzkollegen den Kameraden nicht im Stiche ließen, obwohl uns wegen illegaler Unterstützung des eingesperrten Untercapos der Strang drohte. Im Laufe des Winters verschwand Julius von der Bildfläche. Lagerparolen tuschelten sich von Ohr zu Ohr zu, er sei gehängt worden. Dem war aber nicht so. Nach der Befreiung wurde ich von der russischen Polizei über meine Beziehungen zu Julius verhört. Zu meiner größten Freude erklärten mir diese Herren, daß unser Untercapo gerettet sei. Wir stehen seit Neujahr 1946 in brieflichem Verkehr miteinander.
Als Kollegen hatte ich noch einen anderen Kommunisten, unseren ,, Außenminister", der die Korrespondenz und die Verbindung mit allen Außenkommandos zu regeln hatte. Der redegewandte Junggeselle, ein langer, spindeldürrer Reichsdeutscher, schlug nicht leicht einen Liebesdienst ab. Nie hat er jemand mit einem harten Worte angerempelt, was in Dachau als eine löbliche Ausnahme hoch anzurechnen war. Er ließ sich auch keine Gelegenheit entgehen, geräuschlos kommunistische Propaganda zu machen. Kuno, Julius und dieser junge Kommunist galten als verantwortliche Leiter unseres Büros.
Der frühere österreichische Gymnasialprofessor Max, ein Mann ernsten und vielseitigen Wissens, führte die Korrespondenz mit den Firmen, bei denen Dachauer Häftlinge beschäftigt waren. Max und auch Kuno verstanden sich auch vortrefflich auf die Kochkunst. Meine Angehörigen schickten uns Mehl, Butter, Alkohol und Rauchmaterial
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