aus Angst vor Binder und Weber in Ruhe lassen müssen. Auch meine Strumpfstopfkollegen hatten in mir begreiflicherweise einen 15. Nothelfer.
Unser Strumpfstopfkommando zählte 180 Mann; darunter waren 140 Geistliche. Zu den Laien gehörten fast nur Gebildete, wie ein Professor, der früher‘die Geschichte des Rechts an einer Universität vortrug, ferner ein ehemaliger Konsul in Japan , dann ein Oberbürger- meister und andere. Da ich eine mir beliebige Arbeit auswählen durfte, blieben Nadel und Wolle unberührt. In meiner Unbeholfenheit wäre es mir übrigens nie gelungen, einen Strumpf vorschriftsmäßig zu stopfen. Da setzte ich mich lieber neben den Prälaten Matthias Munda, der ehedem mit Mitra und Bischofsstab pontifizierte. Dieser fromme Priester hatte in Dachau durch eine Operation die rechte Hand ver- loren und wickelte jetzt seit langem einhändig Wolle auf Knäuel. Ich half dem braven Matz bei seiner Arbeit, suchte aber auch von der guten Wolle für mich und andere Kameraden wegzuklauen. Viele flickten nämlich auf den Blöcken ihre Privatstrümpfe selbst. Der menschenfreundliche Capo verbot mir, pro Schicht mehr als zwei Knäuel fertig zu machen, was kaum ein Stündlein Arbeit erforderte. Die Langeweile wußten wir schon praktisch zu vertreiben. Für die Pfarrer herrschte nach freiwilliger Übereinkunft täglich vier Stunden lang absolutes Stillschweigen. Während dieses Silentiums hielten wir religiöse Betrachtungen und verrichteten Gebete. Mich interessierten besonders die Psalmen. Viele Geistliche in Dachau studierten die praktische Psalmenerklärung des heutigen Bischofs von Straßbourg . Die meisten verstanden ja genügend französisch. Lektüre war während der Arbeit strengstens verboten. Doch unser Wachtposten schlug beizeiten Alarm, und die Bücher verschwanden unter einem Haufen alter Strümpfe, sobald ein SS-Mann den Keller betrat. Da ich hinter einer stets offenen Türe saß, konnte der Schlaf mich ungestört über- mannen. Wenn der Capo oder Kommandoführer Binder mich hie und da aus dem tiefsten Schlafe herausrissen, entschuldigten sie sich sogar, wofür ich gerne als Sühne Zigaretten bezahlte. Es war mir auch erlaubt, im Lager herumzuspazieren oder auf dem Block Nr. 26 zu verweilen. Pater Weyland aus Volmerange-les-Mines und ich haben sehr reichlich von diesem Privileg Gebrauch gemacht.
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