Vorübergehend war ich auch Capo des Spritzkommandos. Zwanzig Russen erhielten Gießkannen. Wir schöpften das Wasser im Wurmbach und benetzten jeden Tag sechs Stunden lang die Straße, die von den SS - Büros zur Kommandantur führte. Es wäre zu schade gewesen, wenn die kostbare Gesundheit eines SS- Mannes durch ein Stäubchen gelitten hätte. Nicht allzu weit von Dachau entfernt standen die Mauern der Gaskammer. Ein SS- Mann sollte ja kein Staubatom einatmen, Häftlinge aber mußten Giftgase schlucken.
Als das Strohsackkommando mit seinem Capo Krause in unser Atelier verlegt wurde, waren die goldenen Zeiten des Desinfektionskommandos vorbei. Streit und Denunziationen verbitterten uns manche Stunden. Capochef Jakob geriet oft in eine begreifliche Nervosität. Der Wiener Max bekam mit einigen Pfarrern immer wieder Krach. In der Karwoche verschwanden in unserem Arbeitsblock die Lederhandschuhe eines SS- Mannes, die aus Versehen liegen geblieben waren. Einige Geistliche des Desinfektionskommandos mußten am Ostersonntag und die ganze Osterwoche hindurch als Sühne den ganzen Tag Schützengräben auswerfen. Auch mein Verhältnis zu Max spitzte sich immer mehr zu. Als er mich gar aufforderte, statt meinen französischen Landsleuten nur seinen russischen Lieblingen Lebensmittel zu geben, kam es zu einem scharfen Wortwechsel. Zu meinem nicht geringen Staunen gelang es Max, mich in die Strumpfstopferei strafversetzen zu lassen. Meine Desinfektionskollegen waren erbittert. Die Intervention des Capos Koch auf dem Einsatzbüro blieb fruchtlos.
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3) Strumpfstopfer
Das Gebäude Nr. 4 unseres Planes ist durch einen tiefen und weiten Keller unterhöhlt. Hier arbeiteten in einem licht- und luftarmen Raum die Strumpfstopfer. Unser Capo war ein kreuzbraver Mann, der keiner Fliege etwas zuleide tat. Wir zwei kamen von erster Stunde an gut miteinander aus, ja er hatte eine gewisse Angst vor mir. Wie ist so etwas in Dachau möglich, wo doch der Häftling vor seinem Capo zu zittern pflegte?
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