Scheinarbeit. Man lud uns einen Sack auf den Kopf, und wir schleppten ihn zum Magazin. Höchstens fünfmal am Tage legten wir einen Weg von je dreihundert Meter zurück. Da standen wir an den Ecken der Baracken, schwatzten und rauchten insgeheim. Die allerwichtigste Arbeit geschah mit den Augen. Da hieß es, ja gut aufpassen, ob ein SS- Mann heranschleiche. Kam einer in Sicht, dann rannten wir mit Feuereifer, spielten aber wieder den Eckensteher, sobald das SS- Auge uns nicht mehr zu erspähen vermochte.
In unserem Atelier fabrizierten sechs Kameraden Strohsäcke für die SS - Leute und das Spital. Sie stampften mit einem Brett, an dent unten eine eiserne Platte angebracht war, Seegras in das Tuch. Dieser Strohsack mußte rechteckig scharf gekantet, ohne irgend eine hohle Stelle, und sehr fest geformt werden. Da die SS - Leute oftmals die fertige Arbeit persönlich inspizierten, wurde hier auf dem Gebiete der Strohsackfabrikation Facharbeit verlangt. Da hielt ich mich wohlweislich fern, begnügte mich damit, den Kameraden dieser Branche Witze zu erzählen und Zigaretten zu spenden. Besonders lieb war mir Jean Tribout, der Sohn des Kasinobesitzers von Deauville . Der von zu Hause aus verzärtelte junge Mann war Vater von zwei Kindern. Tribout trug einen Fluchtplan auf dem Rücken und gehörte viele ¡ Monate lang wegen allerhand dummer Streiche zur Strafkompagnie, bekam einige Male fünfundzwanzig Hiebe und verschwand schließlich in einem anderen Lager. Sollten er und seine Frau, die ebenfalls in Deutschland arbeitete, Deauville wiedergesehen haben?
Unser braver Leipziger Capo hat nie jemand zur Arbeit gedrängt. Nur wenn der SS - Kommandoführer uns kontrollierte, lief er nervös von einer Gruppe zur anderen und sang mit tonvoller Mädchenstimme: ,, Hier wird genäht und nicht faul herumgespäht. Und ihr Dämel, wollt ihr lustig zupfen und rupfen, ja nicht blöd herumhupfen. Ihr dummen Hämmel, jetzt wird fest gestampft, und glättet nur den Strohsack recht sanft..." Unser Kommandoführer lachte herzlich dabei und verschwand schon nach ein paar Minuten. Da legte sich der Capo wieder hinter den Ofen, las oder schlief und ließ uns nach Belieben schalten und walten. Gutmütig schaute er zu, wie wir den Abort belagerten, um dort verbotswidrig Zigaretten zu rauchen.
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