je groben Manieren alle Kameraden ab. Ich suchte mit guten Worten, r$ auch mit Lebensmitteln, den nervenerschütterten Mann zu gewinnen. Offenherzig gab er mir einen Einblick in seine zerrütteten Familien- verhältnisse. Von zu Hause kamen weder Briefe noch Pakete. Es gereichte mir zu großer Freude, bei Krause erfolgreich den David beim Saul zu spielen.

Die Strohsackfabrik hatte fünf Unterabteilungen, in denen ich, dank der Gunst meiner Vorgesetzten, beliebigen Beschäftigungen nachgehen konnte. Gewaltige Tuchrollen wurden zerschnitten und zu Strohsäcken zusammengenäht. Mit Nadel und Faden arbeiteten je zwei Mann an einem Strohsacktuche. Ein belgischer Kommunist führte mich in die Kunst dieser Näherei ein. Wir beide mußten täglich ein bestimmtes Quantum abliefern, was für jeden kaum sechs Stunden Arbeit erheischte. Bei mir ging es aber sehr langsam voran, da mein IS| schwaches Augenlicht das Nadelloch zur Einfädelung kaum zu ent-

decken vermochte. Ich stellte mich auch so dämlich dran und machte

;2 derart unvorschriftsmäßige Stiche, daß der Capo einmal spöttelte: ienWenn du so schlecht gepredigt hast, wie du nähst, wunderts mich, = wie du zum Bischof von Metz avanciert bist. Doch mein steter Humor, mehr noch der lothringische Speck und die Lasso-Ziga- > retten, ersetzten reichlich jede Unbeholfenheit im Nähen. 2 Von Zeit zu Zeit brachte ein Lastwagen zentnerschwere Ballen festgepreßter Holzwolle herbei, die fein säuberlich auseinander- .% gerissen werden mußte. Da half ich auch manchmal mit. Neben mir = saß der gleichalterige Pfeil, früher Kaplan im Heimatdorfe des Ex- ns ministers von Papen. Stundenlang rupfte ich mit dem braven Hugo wel im dichten Staub Holzwolle auseinander, keine halsbrecherische Ar- Ien, beit, für Gebildete jedoch eine geisttötende Beschäftigung. Wenn wir he| nach unserer Leistung entlohnt worden wären, hätte uns selbst der wir| bestgesinnte Brotherr kaum fünfzig Pfennige für eine elfstündige Zu Schicht geben können. Wir haben mehr geplaudert und geschlafen ante| als gearbeitet. | Das Einstampfen der Holzwolle in den Strohsack erforderte schon ya| etwas mehr Muskelkraft, ich habe mir aber dabei nie wehgetan, tten| sintemalen wir während der elf Stunden kaum sechzig Minuten in erte Tätigkeit waren. Beim Strohsacktragen leistete ich meist auch nur

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