Willenskraft und sogar die Denkfähigkeit waren dahin. Dieser Kollege hat mir später erzählt, ich hätte wie im Wahnsinn vor mich hinge- murmelt:„Jetzt mache ich mit dem Leben Schluß.‘ Obwohl mein Gedächtnis von dieser verzweifelten Stimmung nichts mehr weiß, muß es sehr schlimm um mich gestanden haben.
Meine Wunden am Unterleib schmerzten mich wochenlang furcht- bar und sind übrigens unheilbar geblieben. Heute noch brechen sie oftmals’auf. Ich ließ mich 1945 daheim von zwei Ärzten untersuchen, die feststellten, daß die ganze Haut verbrannt ist.
Zwei meiner Kameraden sind gleich nach Weihnachten an den
Folgen der barbarischen Desinfektionsmethode gestorben. Der eine hieß Stahl und war Vater von fünf Kindern. Entsetzt stand ich vor seiner Leiche. Ein anderer harter Todesfall sollte mich bald noch mehr erschüttern. Mein Bettnachbar, Pfarrer Cordonnier, stöhnte stunden- lang in der Nacht abwechselnd mit mir. Wir beteten und weinten. Kurz vor Jahresschluß richtete man für die Kranken unseres Blocks in der Stube 4 ein Notspital ein, da kein Typhusverdächtiger unseres Blocks ins Revier aufgenommen wurde. Die Kranken und Sterbenden lagen im ungeheizten Raum, ohne Arzt und ohne Pflege; auch Pfarrer Cordonnier befand sich hier. Der brave Stubenälteste Willy Bader gestattete mir, im geheimen meinem armen Freunde Besuche abzu- statten. Ein Priester des Pfarrerblocks Nr. 26 schickte durch einen Kameraden die hl. Kommunion und die hl. Öle. Es war, wenn ich nicht irre, am 6. Januar 1943, da lag Cordonnier am Sterben. Ich stand tiefbetrübt neben ihm.„O, was habe ich Durst‘, röchelte der Kranke. Es gelang mir, einen Apfel zu erbetteln. Da Cordonnier nicht mehr schlucken konnte, zerdrückte ich den Apfel zu Brei und legte diesen dem Sterbenden auf die Zunge. Noch einmal gab ich ihm den Segen.„Auf Wiedersehen im Himmel!“ hauchte der Sterbende. Tags darauf war mein Priesterfreund tot. Einige Wochen später wurde in unserer Kapelle für ihn ein Totendienst gehalten. Mir war die schmerzliche Ehre zuteil geworden, die Totenpredigt zu halten. Das war mein erstes, ach so trauriges Weihnachtsfest in Dachau . Gottlob, daß der Schleier uns die Zukunft verhüllte, denn ich wäre verzweifelt, wenn ich gewußt hätte, daß ich in Dachau noch einmal®Weihnachten feier müßte.
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