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Pfarrer Cordonnier lag, auch schauderhaft verbrannt, auf einer Bank. Da mir die Wunden das Sitzen unmöglich machten, stand ich todmüde, schmerzgekrümmt, meist wortlos, neben ihm. Grimmiger Hunger bohrte in den Eingeweiden. Schon drei Uhr nachmittags. Gegen sechs Uhr am Morgen hatten wir den üblichen schwarzen Kaffee bekommen. Seither garnichts. Gegen vier Uhr kehrten wir nackten Männer, zitternd vor Kälte, durch die Lagerstraße nach dem: Block 15 zurück.

Während unserer Abwesenheit waren die Stuben auch desinfiziert worden. Hier empfingen uns ein kalter Ofen, eine vergaste, kaum atembare Luft und die kalte, dünne Mittagssuppe. Und doch sangen wir am Abend:Stille Nacht, heilige Nacht! Daheim brannten die Lichter am Weihnachtsbaum, mir brannte die Desinfektionssäure am. Leibe und bitteres Heimweh in der Seele. Ich war zernagt vom Hunger, zusammengeschrumpft, schmerzverkrampit, eine menschliche Ruine. Diese heilige Nacht bleibt mir unvergeßlich. Auf dem Rücken oder auf dem Bauche zu liegen oder wenigstens zu sitzen verboten die schmer- zenden Brandwunden. Lange Stunden stand ich neben dem Bett, legte mich dann und wann, auf die Hüftenknochen und die Ellbogen gestützt, ächzend auf den Strohsack. Das Hemd war klebrig vom Blut. Die in Nürnberg aufgeschnappte Nierenkrankheit lebte wieder mit all ihren schmerzenden Begleiterscheinungen auf. Der Autosuggestions- methode Cou& verdankte ich einige Linderung.

Wir Geistlichen hatten vergeblich den Antrag gestellt, am Weih- nachtsfest der hl. Messe beiwohnen zu dürfen. Vergeblich war auch unsere Hoffnung, geheim kommunizieren zu können. Unser Block war scharf abgesperrt. In tiefster Niedergeschlagenheit bat ich den Stubenältesten, mich ins Spital zu bringen. Der brave Kopp riet mir energisch ab. Man würde mir zweifelsohne eine Spritze verab- reichen, um mich als Expreßgut in die Ewigkeit zu befördern. Alles dieses zermürbte mich körperlich und seelisch derart, daß ich voll- ständig die Nerven verlor. Die Hoffnung, das liebe Lothringerland je wiederzusehen, war aufgegeben. Still flehte ich den Herrgott an, mich abzuberufen. Ein solch elendes Dasein wollte ich nicht mehr weiterfristen... Gelegentlich eines Appells stützte ich den Arm auf die Schultern eines geistlichen Confraters. Meine sonst so starke

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